Montag, 30. März 2009, arte, 21:00 Uhr
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Einen doppelten Auftakt vereint diese berühmte Literaturverfilmung von 1966, die bei den Filmfestspielen in Cannes mit dem FIPRESCI-Preis ausgezeichnet wurde, das Filmband in Gold für Regie und Drehbuch sowie den Max-Ophüls-Preis gewann: Der junge Törless stellt das Spielfilmdebüt des gestandenen Filmemachers Volker Schlöndorff dar, der in diesen Tagen siebzig wird und damit den ersten Roman des allzu jung verstorbenen Österreichers Robert Musil (1880-1942) mit dem Titel Die Verwirrungen des Zöglings Törleß aus dem Jahre 1906 inszeniert hat.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entspinnt sich in einem mit unnachgiebiger Strenge geführten Internat für Kadetten in Österreich-Ungarn ein geradezu teuflisches Szenario: Der junge Zögling Anselm von Basini (Marian Seidowsky) gerät zum Spielball seiner älteren Kameraden Reiting (Fred Dietz) und Beineberg (Bernd Tischer), die ihn beim Stehlen erwischt haben – ein ganz gravierendes Vergehen, dessen Konsequenzen Basini um jeden Preis vermeiden will. So ist er fortan hilflos den ebenso launischen wie grausamen Machtausübungen der beiden ausgeliefert, denen auch ihr Mitschüler Thomas Törless (Mathieu Carrière) beiwohnt, der allerdings eher den Status eines zurückhaltenden Beobachters einnimmt.
Die Herren Kadetten ergehen sich dabei ungeniert in allerlei grausamen Plänen und toben sich in einem geheimen Versteck ganz gewaltig an dem Jungen aus, wobei sie ihre sich immer krasser gestaltenden Entwürdigungen und Brutalitäten zynisch als eine Art Experiment an der menschlichen Kreatur deklarieren. Doch ihre menschenverachtende Arroganz gerät zunehmend aus den Fugen, und Basini wird regelrecht gefoltert, was den mitfühlenden Törless, der gerade zerrissen um die Herausbildung seiner eigenen Identität kämpft, dazu veranlasst, Basini insgeheim zu raten, sich selbst dem Direktor (Fritz Gehlen) zu stellen und somit seinem Dilemma zu entfliehen, dessen Auswüchse unerträglich werden. Doch inzwischen sind Beineberg und Reiting dazu übergegangen, ihr allzu bereitwilliges Opfer mit der ganzen Schule zu teilen, und die dadurch entstehenden Turbulenzen bleiben auch der Leitung auf Dauer nicht verborgen …
Einen bemerkenswert gelungenen wie erfolgreichen Auftakt der ebensolchen langjährigen und erfreulicherweise noch immer andauernden Laufbahn als Filmemacher des Volker Schlöndorff stellt Der junge Törless dar, der zwischen der ganz persönlichen Entwicklungsgeschichte des Titel gebenden Schülers und einer politisch-psychologischen Parabel oszilliert. Die geradezu klassischen Charaktere der Peiniger, des Opfers und des Mitwissers werden frisch und doch eindringlich von einem engagierten jungen Ensemble verkörpert, dessen spielerische Leichtigkeit einen schaurig-schönen Kontrast zur gewaltigen Ernsthaftigkeit der Thematik bildet – ein Film von einer beunruhigenden Faszination und auch Aktualität, der die zwielichtige Zone zwischen Macht und Mitgefühl beleuchtet.
(Marie Anderson)
Einen doppelten Auftakt vereint diese berühmte Literaturverfilmung von 1966, die bei den Filmfestspielen in Cannes mit dem FIPRESCI-Preis ausgezeichnet wurde, das Filmband in Gold für Regie und Drehbuch sowie den Max-Ophüls-Preis gewann: Der junge Törless stellt das Spielfilmdebüt des gestandenen Filmemachers Volker Schlöndorff dar, der in diesen Tagen siebzig wird und damit den ersten Roman des allzu jung verstorbenen Österreichers Robert Musil (1880-1942) mit dem Titel Die Verwirrungen des Zöglings Törleß aus dem Jahre 1906 inszeniert hat.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entspinnt sich in einem mit unnachgiebiger Strenge geführten Internat für Kadetten in Österreich-Ungarn ein geradezu teuflisches Szenario: Der junge Zögling Anselm von Basini (Marian Seidowsky) gerät zum Spielball seiner älteren Kameraden Reiting (Fred Dietz) und Beineberg (Bernd Tischer), die ihn beim Stehlen erwischt haben – ein ganz gravierendes Vergehen, dessen Konsequenzen Basini um jeden Preis vermeiden will. So ist er fortan hilflos den ebenso launischen wie grausamen Machtausübungen der beiden ausgeliefert, denen auch ihr Mitschüler Thomas Törless (Mathieu Carrière) beiwohnt, der allerdings eher den Status eines zurückhaltenden Beobachters einnimmt.
Die Herren Kadetten ergehen sich dabei ungeniert in allerlei grausamen Plänen und toben sich in einem geheimen Versteck ganz gewaltig an dem Jungen aus, wobei sie ihre sich immer krasser gestaltenden Entwürdigungen und Brutalitäten zynisch als eine Art Experiment an der menschlichen Kreatur deklarieren. Doch ihre menschenverachtende Arroganz gerät zunehmend aus den Fugen, und Basini wird regelrecht gefoltert, was den mitfühlenden Törless, der gerade zerrissen um die Herausbildung seiner eigenen Identität kämpft, dazu veranlasst, Basini insgeheim zu raten, sich selbst dem Direktor (Fritz Gehlen) zu stellen und somit seinem Dilemma zu entfliehen, dessen Auswüchse unerträglich werden. Doch inzwischen sind Beineberg und Reiting dazu übergegangen, ihr allzu bereitwilliges Opfer mit der ganzen Schule zu teilen, und die dadurch entstehenden Turbulenzen bleiben auch der Leitung auf Dauer nicht verborgen …
Einen bemerkenswert gelungenen wie erfolgreichen Auftakt der ebensolchen langjährigen und erfreulicherweise noch immer andauernden Laufbahn als Filmemacher des Volker Schlöndorff stellt Der junge Törless dar, der zwischen der ganz persönlichen Entwicklungsgeschichte des Titel gebenden Schülers und einer politisch-psychologischen Parabel oszilliert. Die geradezu klassischen Charaktere der Peiniger, des Opfers und des Mitwissers werden frisch und doch eindringlich von einem engagierten jungen Ensemble verkörpert, dessen spielerische Leichtigkeit einen schaurig-schönen Kontrast zur gewaltigen Ernsthaftigkeit der Thematik bildet – ein Film von einer beunruhigenden Faszination und auch Aktualität, der die zwielichtige Zone zwischen Macht und Mitgefühl beleuchtet.
(Marie Anderson)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Der junge Törless – TV-Tipp der Woche
Produktionsland:
Deutschland, Frankreich
Produktionsjahr:
1966
Länge:
84 (Min.)
VERÖFFENTLICHUNGEN
CAST & CREW
Regie:
Volker Schlöndorff
Drehbuch:
Volker Schlöndorff, Herbert Asmodi
Kamera:
Franz Rath
Schnitt:
Claus von Boro
Musik:
Hans Werner Henze
Hauptdarsteller:
Mathieu Carrière, Marian Seidowsky, Bernd Tischer, Fred Dietz, Lotte Ledl
FILMBEWERTUNG
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Bisherige Kommentare
(Anzeige: 2 von insgesamt 2)
Von: @Aljona am: 24.06.09
Stimmt natürlich. Danke für den Hinweis.
Von: Aljona Nerenberg am: 24.06.09
Robert Musil ist nicht 1917 gestorben, sondern am 15.04.1942!
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