Zurück zur Übersicht

Der Entsorgte Vater

Meinungen
11

4 Sterne aus 51 Bewertungen

Kinostart: 11.06.2009
FSK: 12
Genre: Dokumentarfilm
Tags: Scheidung, Vaterschaft, Sorgerecht, Rosenkrieg

Männer als Verlierer der Rosenkriege

Dass vor allem die Kinder die Leidtragenden sind, wenn es zu einer Trennung oder gar Scheidung der Eltern kommt, dürfte kaum jemand bezweifeln. Doch in der Schlacht um Unterhalt, Sorgerecht und um Besuchszeiten sind es auch immer wieder die Väter, die den Rosenkrieg verlieren, weil ihnen der Umgang mit den eigenen leiblichen Kindern verboten wird. Und oft genug geschieht dies aus fadenscheinigen Gründen und auf richterliche Anordnung hin. Die seelischen Schäden und Verwundungen, die dies bei allen Betroffenen hinterlässt, amerikanische Psychologen haben hierfür die Begrifflichkeit des "Parental Alienation Syndrome" (kurz: PAS) entwickelt.

Der Filmemacher Douglas Wolfsperger (Bellaria – Solange wir leben, Blutritter) ist selbst Betroffener eines solchen Rosenkrieges und hat nun mit Der Entsorgte Vater einen erschütternden Dokumentarfilm über Männer gedreht, die in einer ähnlichen Lage sind wie er. Erschreckend daran sind nicht nur die einzelnen Schicksale, sondern auch, dass dies anscheinend weitaus häufiger vorkommt, als man glauben mag. Und dass es erst eines Films wie Der Entsorgte Vater bedarf, um das Problem ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu hieven.

Am Anfang des Films stand eine Erschütterung: Nach jahrelangem Streit mit seiner Ex-Freundin um den Umgang mit seiner Tochter wurde Douglas Wolfsperger von einem Gericht in Berlin dazu aufgefordert, zum Wohle des Kindes von diesem Abschied zu nehmen und sich von ihr zu verabschieden – und zwar endgültig. Ein Akt seelischer Grausamkeit, wie man ihn sich schlimmer kaum vorstellen kann. Die letzte Reise Wolfspergers zu seiner Tochter bildet so etwas wie den roten Faden des Films und gibt den Anlass für Begegnungen mit anderen Männern (und einer Frau), die die extreme Form des Rosenkrieges, bei denen die gemeinsamen Kinder rücksichtslos als Waffe eingesetzt werden, am eigenen Leib erfahren mussten.

Da ist beispielsweise Franzjörg, der seit 14 Jahren von der Mutter seiner beiden 24 und 15 Jahre alten Töchter getrennt lebt. Zu seiner älteren Tochter hat er trotz seiner Bemühungen seit mehr als 10 Jahren keinen Kontakt mehr und musste irgendwann an seiner Schule erfahren, dass seine Tochter einige Monate lang an seiner Schule ein Praktikum gemacht hatte – ohne dass er sie erkannt oder sie sich ihm zu erkennen gegeben hätte. Nach seinen jahrelangen Erfahrungen im Kampf um einen geregelten Umgang mit seinen Kindern gründete Franzjörg die Initiative VafK Karlsruhe (Väteraufbruch für Kinder e.V.), deren Sprecher er auch heute noch ist. Eine Funktion, die ihn zu einem Experten für entsorgte Väter werden ließ.

Auch Harald ist ein Betroffener, dessen Weihnachtspakete an seine Kinder stets ungeöffnet und mit dem Vermerk "Annahme verweigert!" zurückgesandt werden. Den Umgang mit ihrem Vater lehnen seine beiden 13 und 11 Jahre alten Töchter strikt ab – ein klassischer Fall der "Parental Alienation Syndrome", wie er immer häufiger vorkommt.

Ungleich perfider liegt der Fall von Bernd, der seit dem Jahre 2001 von seiner Frau getrennt lebt. Immer wieder wurden Anschuldigungen seitens der Familie seiner Ex-Frau gestreut, der Vater habe das Kind sexuell missbraucht. Allerdings ergab die psychotherapeutische Betreuung der Tochter keinerlei Hinweis auf solche Vorkommnisse. Doch irgendetwas bleibt immer hängen. Und zuletzt ist da noch der Polizist Ralf, der 2007 geschieden wurde und seitdem um einen weiteren Tag mit seinen beiden Kindern (5 und 8 Jahre alt) kämpft. Doch dieser Wunsch, der ihm auch gerichtlich zugesichert wurde, scheitert bislang an einem Boykott seiner Ex-Frau.

Als einzige Frau im Bunde repräsentiert die Musikerin Birgit die andere Seite, den anderen Blick auf den Kampf ums Sorgerecht, in denen die Männer aufgrund ihrer (so nennt es einer der betroffenen Männer selbst) "Naivität" häufig den Kürzeren ziehen. Mit erstaunlicher Offenheit schildert Birgit ihre Sicht der Dinge und macht deutlich, dass Vaterschaft für sie in erster Linie "ja immer nur Erzeugung" meint. Eine ernüchternde Analyse und Dekonstruktion des Familienidylls, wie es Werbung und Politik propagieren. Doch die Erfahrungen von Männern wie Douglas Wolfsperger und all den anderen geben ihr Recht.

Dass sich an der dahinter durchscheinenden impliziten Rollenverteilung auch im 21. Jahrhundert und in einer aufgeklärten Gesellschaft wie der unseren trotz etlicher gesetzlicher Initiativen nichts geändert hat, darin liegt die Sprengkraft dieses Film, der neben persönlichen Schicksalen auch eines der wenigen noch verbliebenen Tabus aufzeigt.

Douglas Wolfsperger Film Der Entsorgte Vater könnte gerade wegen seiner gnadenlosen und niemals verschleierten Subjektivität ein wichtiger Impuls werden, sich mit diesem Tabu näher auseinander zu setzen und Maßnahmen zu ergreifen, die endlich einmal darauf abzielen, getrennt lebenden Eltern – gleich welchen Geschlechts – einen regelmäßigen Umgang mit ihren eigenen Kindern zu ermöglichen. Es wäre – auch wenn manche Gerichte genau dies negieren – insbesondere für die weitere Entwicklung der Kinder ein längst überfälliger Schritt.

(Joachim Kurz)

Daten & Fakten

Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2008
Länge: 86 (Min.)
Verleih: GMFilms / Wilder Süden
Kinostart: 11.06.2009

Cast & Crew

Regie: Douglas Wolfsperger
Drehbuch: Douglas Wolfsperger
Kamera: Tanja Trentmann, Inigo Westermeier
Schnitt: Bernd Euscher
Musik: Konstantin Gropper

MEINUNGEN

Ihre Meinung zu diesem Film (Felder mit * müssen ausgefüllt sein)

Kommentar Seiten « 1 2 3 »

Bisherige Meinungen

(Anzeige: 5 von insgesamt 11)
Von: Andrea B. am: 31.03.12
Immer die Falschen erwischt...: ich bin ledig und alleinerziehende Mutter(43) von 3 Kindern (24-19-5).Vom Vater Nr.1 trennte ich mich,nachdem er unsere damals 3 Monate alte Tochter "schüttelte". Er interessiert sich bis dato nicht für seine Tochter (heute 24).Vater Nr.2 unterstellte mir seine eigens praktizierte Untreue.Mein Sohn (heute 19) war eine Risikoschwangerschaft,welche mich fast mein Leben kostete-seinen Vater interessierte das nicht.Er zeigt bis dato kein Interesse seinen Sohn überhaupt kennenzulernen.Und Vater Nr.3 praktizierte sein "Vatersein" nur zum Schein nach aussen hin: in Wahrheit missbrauchte er fast 5 Jahre sein eigenes Kind als Tarnung für seine kriminellen Machenschaften: ein Männchen mit KIND ist nun mal unauffälliger-wirkt vielleicht harmloser ? Vater Nr.3 wurde vor kurzem inhaftiert und agiert nun hinter Gittern gegen mich.Das interessiert mich allerdings Oskar wie Lafontaine.Meine beiden erwachsenen Kinder leben zusammen in einer WG, meine Nachzüglerin (5) bei mir. Nichts desto trotz habe ich meinen Glauben nicht verloren einem liebevollen MANN zu begegnen, welcher mich um meiner Selbst Willen liebt und es zu schätzen weiss, in den Kreis einer starken Familie aufgenommen zu werden. Meine Mutter ist 65, mein Taufpate fast 70. Wir halten zusammen wie Pech und Schwefel-komme was wolle! Familie steht bei uns an 1.Stelle.
Von: Ekaterina am: 28.07.09
Ein sehr sehenswerter Film. Allerdings hätte mich sehr interessiert, was die Ex-Frauen der betroffenen Männer dazu zu sagen hätten. Aus eigener Erfahrung sage ich als alleinerziehende Mutter,daß es trotz hinreichender Gründe sehr schwer ist das alleinige Sorgerecht zu erwirken.Daß es auch schwer ist ein Umgangsrecht des Vaters mit dem Kind zu verweigern bzw. begleiteten Umgang zu bewirken, obwohl der Vater des Kindes gewaltbereit und psychisch krank ist.Ich kann sagen daß eben nicht zwangsläufig die Rechte der Frauen gestützt werden, sondern daß es handfeste Beweise geben muß, wenn solche einschneidenden Urteile gegeben werden.
Von: Emanzo am: 28.06.09
Die Wahrnehmung des Familienunrechts im Rechtsstaat Deutschland seit Wolfspergers Film „Der entsorgte Vater“ durch Gesellschaft, Politik und vor allem durch die Medien macht Mut. In „Typisch Mädchen“ von 1985 behauptet Marianne Grabrucker in femineurotischer Jungenmisandrie: „Die Anerkennung der Mädchen kann nur auf Kosten der kleinen Buben geschehen.“ Und EMMA schreibt 1986 in femichauvinistischer Manier: „Wenn wir wirklich wollen, daß es unsere Töchter einmal leichter haben, müssen wir es unseren Söhnen schwerer machen“. Wer solche Kommentare wie diese hier liest, der wird spätestens jetzt erkennen, daß das Geschäft mit alleinerziehenden Müttern und vaterlosen Kindern auch für Verbände wie z. B. „Frauen helfen Frauen e.V.“ [Männer-Was ist das?] oder den Verband alleinerziehender Mütter [na] und [!?] (Väter), ein Milliardengeschäft ist. Hier geht es längst nicht mehr um das Wohl unserer Kinder (Alleinerziehende: 'Vaterlose Jungs sind ein Milliardengeschäft' - Panorama - STERN.DE.). Und hier verlangt eine grundsätzlich unbewußte Dimension begriffen zu werden. In ihrem höhnischen Kommentar „Männer mit Hobby“ zum Film "Der entsorgte Vater" von Douglas Wolfsperger, einem Film, der sich wie der Verband Väteraufbruch für Kinder und sonst alle anderen Väterverbände seit Jahren immerhin für eine gemeinsame Elternschaft und damit unbestritten für die besten Interessen der Kinder einsetzt, schreibt die „heroisierte alleinerziehende“ Frau Peggy Lesbisch im Gegenzug zu der schönsten und intelligentesten Frau im Land Dr. Karin Jäckel, welche eher über „Das Ende ihrer Fahnenstange“ berichtet: „...Sie schildern in unterschiedlichen Sequenzen [Sie meinen wohl Geschichten? Filmsequenz ist eine kleinere, in sich abgeschlossene Einheit!], die leider nicht besonders spannend [nur wegen einwenig psychischer Gewalt gegen Männer!] oder filmerisch [Das Wort konnte im Wörterbuch nicht gefunden werden! Meinen Sie etwa das Wort „filmisch“?] originell [sollte es künstlich zugehen wie in der heroisierten Alleinerziehung?] sind, dass sie ihre Kinder nicht sehen dürfen [Männer! Was ist denn so schlimm dabei?] und ganz heftig darunter leiden [Oh Gottchen! Seit wann können Erzeuger leiden?]... Die Dokumentation ist eine Innenansicht [Ein Treffer von der Sicht einer Feministin?] auf die Befindlichkeit der im Väteraufbruch aktiven Männer [aktive Männer sind keine Väter, v. a. wenn sie für eine gemeinsame Elternschaft kämpfen! Dann können wir gleich Feierabend machen!], deshalb reagieren sie auch so stark darauf [Sie ist doch männlich, die Gewalt!]. Der Film spricht ihnen aus der Seele [wenigstens nicht am Arsch vorbei Frau Peggy!]. Das ist auch schon alles [oder soll ich konkreter werden Frau Peggy?]. ... [dazu mehr auf: VAfK Karlsruhe - Hilfe und Beratung im Sorgerecht, Umgangsrecht, Familienrecht] Die Misandrie gegen alles Männliche stinkt bis zum Himmelreich. Die Benennung „Väter“ entpuppt sich sprachwissenschaftlich gesehen als reine Kosmetik. Sie kann daher genau so gut ausradiert werden, weil sie funktionell ist. Wir hätten dann „VAM(V)“, damit man(n) auch sieht, ob man(n) drin oder dran ist. Besten Dank an alle für diese beeindruckende Aufklärung!
Von: Für Kinder und Eltern am: 27.06.09
Monika Armand - Im Einsatz für Kinder und Eltern Politik, Medien und Wahrnehmung...... von Monika Armand, 18. Januar 2009, 17:23 Eine Sammlung " Diverse Filmbeiträge über Kindesentzug durch Jugendamt und Familiengericht" von [der Kinderbuchautorin] Dr. Karin Jäckel kann Ihnen eine Vorstellung darüber vermitteln, was hierzulande für etliche Familien zum bitteren Alltag geworden ist. Sozial engagierte Helfer müssen immer wieder mit "staatlichen" Repressionen für ihr Hilfsengagement "bezahlen" [...] am Rande geht dies auch aus dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes hervor. [...] d.h. auch bei uns gibt es hier und da "chinesische Zustände" oder "Zustände, worüber wir glauben, daß diese seit dem dritten Reich längst überwunden wären..." Noch vor zwei Monaten hätte ich einem solchen Bericht kaum selbst Glauben geschenkt. Nun bin ich nur noch sprachlos über die Schicksale, welche mir zunehmend berichtet werden. So finden in Deutschland Menschrechtsverletzungen statt... unterstützt von der "Nichtöffentlichkeit familiengerichtlicher Verfahren" [Jugendamt und Familiengerichtsverfahren - Willkür im "Rechtsstaat"]. Diese "Nichtöffentlichkeit" sollte vom Grundgedanken her ursprünglich dem Schutze der Betroffenen dienen. Zwischenzeitlich dient diese eher dem Schutz der oft willkürlich handelnden Jugendämter und führt in vielen Fällen zur Verletzung des rechtlichen Gehörs der betroffenen Eltern [...] Politik, Medien und Wahrnehmung...... | AHMAZ
Von: Emanzo am: 27.06.09
Über die Moral eines Familienrechts ohne Moral Ingo Alberti, Anwalt für Familien- und Strafrecht aus Delbrück (Nordrhein-Westfalen) erklärt, was passiert, wenn Männer zu Unrecht bei einem Scheidungsverfahren des Missbrauchs an ihren eigenen Kindern verdächtigt werden... Und wie oft stimmt der Vorwurf? Das ist so selten der Fall, dass er bei Richtern nach meinen Beobachtungen eher müdes Gähnen als Ermittlungseifer auslöst. Das ist natürlich fatal, wenn der Vorwurf ernst gemeint ist. Wann muss man wirklich Verdacht wegen Missbrauchs schöpfen?... In Bezug auf Kindesmißbrauch allgemein kann man definitiv sagen: Die Täter sind in den seltensten Fällen leibliche Väter. Eher Stiefelternteile, Onkel oder Nachbarn. Und warum werden dann Väter überhaupt so oft verdächtigt? Einerseits sind tatsächlich Ängste bei den Müttern vorhanden, andererseits werden Väter beschuldigt, um ihnen die Kinder zu entziehen. Die Mütter gewinnen dadurch Zeit, um den Partner auszugrenzen. Das kann Vorteile bringen: Richter lassen meist das Aufenthaltsbestimmungsrecht bei der Mutter, selbst wenn sich der Vorwurf als ungerechtfertigt erweist. Wie können Männer sich schützen? Gar nicht. Steht der Vorwurf im Raum, ist die Unschuldsvermutung ausgehebelt. Am Ende spielt es keine Rolle mehr, ob ein Freispruch erfolgt. Der Mann ist dann bereits persönlich, beruflich und psychisch ruiniert [...] Aus: PAPAYA.de, Magazin für mehr Fairness im deutsche Familienrecht PAPA-YA - Missbrauch zu Unrecht

Kommentar Seiten « 1 2 3 »

Partner

  • Deutsche Film- und Medienbewertung
  • Arthaus Filme
  • Filmförderung Baden-Württemberg