(500) Days Of Summer

Kinostart: 22.10.2009
FSK: o.Al.
Genre: Komödie
Leserbewertung:
Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen Filmwecker stellen In Kinoprogramm finden

Vom Finden und Verlieren der Liebe

Mann trifft Frau, verliebt sich in sie, überwindet einige Hürden und wird mit ihr am Ende glücklich: Konfektionierte Liebesfilme nach dem Hollywood-Bausatzprinzip überschwemmen jedes Jahr die Kinolandschaft. So schmackhaft manche dieser klebrig-süßlichen Massenprodukte auch zubereitet sein mögen, köstlich-prickelnde Beziehungs-Überraschungen bieten sie nicht. Eine Ausnahme aus dem Romanzen-Einheitsbrei ist in diesem Jahr die Independent-Perle (500) Days Of Summer. Neben den vielen inszenatorischen Finessen, die sich Videoclipregisseur Marc Webb für sein Regiedebüt hat einfallen lassen ist es vor allem das bestechend realistische, semiautobiographische Drehbuch von Scott Neustadter und Michael H. Weber, dass die erfrischende Liebeskomödie weit über den Genredurchschnitt hebt.

"Das ist die Geschichte von einem Jungen und einem Mädchen", tönt es zu Beginn von (500) Days Of Summer im märchenhaften Plauderton aus dem Off. Und was für eine… Der Junge heißt Tom (Joseph Gordon-Levitt) und ist ein lebensfroher Romantiker, der in einer Firma Texte für kitschige Grußkarten schreibt. Was ihm zu seinem Glück fehlt ist die richtige Frau an seiner Seite. Die glaubt er in der hübschen neuen Arbeitskollegin Summer (Zooey Deschanel) gefunden zu haben. Doch irgendwie will es Tom nicht gelingen sie auf sich aufmerksam zu machen, bis ein Firmenkaraokeabend das Eis zwischen den beiden bricht. Im Gespräch offenbart ihm Summer aber, dass sie nicht an die Liebe glaubt und deshalb an einer ernsten Beziehung nicht interessiert ist. Immerhin kann Tom ihr nach mehreren Annäherungsversuchen ein Freundschaftsversprechen abringen. Als Summer ihn am nächsten Morgen urplötzlich auf den Mund küsst ist für Tom der Fall klar: Nicht nur er ist in Summer verliebt, sondern sie auch in ihn. Bald verbringen die beiden viel Zeit miteinander, bis sie die ungewollte Quasi-Beziehung abrupt beendet. In einem Anflug von Verzweiflung versucht der am Boden zerstörte Tom an Hand seiner Erinnerungen zu rekonstruieren, warum es zwischen Summer und ihm am Ende nicht geklappt hat.

Das Originelle an (500) Days Of Summer ist die für einen Liebesfilm völlig ungewöhnliche Perspektive. Webb erzählt seinen Film gänzlich aus Toms Sicht. Die Lebenswelt von Summer blendet er völlig aus. Ihre zarten Gesten, ihre frechen Bonmots und ihre charmanten Spleens erfährt man nur durch Toms rosarote Brille. Als Konsequenz bleibt Summer für den Zuschauer ein Mysterium ohne eigene Geschichte. Diese bewusste Beschränkung auf eine einseitige Sichtweise funktioniert grandios, da sie glaubwürdig die Realität vieler unglücklich Liebender abbildet. Aus diesem Verständnis heraus lässt sich auch die Besetzung von Summer mit der bezaubernden Zooey Deschanel (Der Ja-Sager) nachvollziehen. Mit ihren funkelnden blauen Augen bietet die unergründliche 29-Jährige einfach viel Platz für Toms Wunsch-Projektionen. Nicht minder überzeugend ist Deschanels Schauspielpendant Joseph Gordon-Levitt (Brick), der die komplexere Rolle des naiven Romantikers mit einer angenehm reduzierten Mimik meistert. Der aufstrebende Jungstar besitzt die seltene Gabe eine emotionale Bandbreite von hemmungsloser Melancholie, verschmitztem Witz bis hin zu völliger Verstörtheit innerhalb weniger Sekunden glaubwürdig abrufen zu können.

Wunderbar funktioniert auch die Idee ein Hauch von Memento in (500) Days Of Summer einfließen zu lassen. Ähnlich wie in Christopher Nolans meisterhaftem Thrillerverwirrspiel verweigert sich Webbs Film einer linearen Erzählweise. Mehr noch: die 500 Tage andauernde weder noch-Beziehung von Tom und Summer wird in unchronologische, scheinbar willkürlich ausgewählte Zeiteinheiten zerstückelt. Diese prägnanten Alltags-Häppchen geben genau den durcheinander geratenen Erinnerungsstrom von Tom wieder. Einzelne Momente des Glücks blitzen plötzlich auf, während wochenlange Negativerlebnisse mit einem Mal verdrängt werden. Aus diesem Emotionspuzzle kristallisiert sich irgendwann für Tom und den Zuschauer die bittere Wahrheit des Beziehungs-Scheiterns heraus. Dieser schmerzhafte Erkenntnisprozess birgt unglaubliche Spannung, der man sich nicht entziehen kann.

Besonders hoch anzurechnen ist es Webb, dass er das traurige Trennungsgrundkonstrukt von (500) Days Of Summer nicht als dröge Selbstbemitleidungsgeschichte inszeniert. Immer wieder stecken die Fröhlichkeit der Hauptfiguren und ihre herrliche Unbekümmertheit an. Für brüllend komische Momente sorgt besonders Toms zwölfjährige Schwester Rachel (Chloe Grace Moretz), die mit ihren altklugen Beziehungstipps den auf Wolke Sieben schwebenden Bruder immer wieder gründlich erdet.

In den Mitteln der Inszenierung vergreift sich Webb nie im Ton. Seinem lockeren Erzählgestus bleibt er immer treu. Gemäß diesem Konzept flechtet er fast beiläufig eine Bollywood ähnliche Musicaleinlage ein, lässt in Toms Hochstimmung ein Zeichentrickvögelchen ins Bild fliegen oder illustriert in einer genialen Splitscreen-Sequenz, was in Toms Vorstellung abläuft und gleichzeitig in der Realität passiert. Nebenbei outet sich Webb auch als Fan von Cameron Crowe (Almost Famous), indem er die Stimmungslage der Charaktere mit abwechslungsreichen Songs von The Smiths bis hin zu Carla Bruni akzentuiert.

Die mit einem Einspiel von über 32 Millionen Dollar (bei Kosten von ca. 7,5 Millionen) erfolgreichste US-Independentkomödie des Jahres erinnert in ihrem Tonfall an solch großartige Werke wie Garden State oder Juno. Mit spielfreudigen Darstellern, einem authentischen Drehbuch und einem originellen Erzählkonzept gelang Nachwuchsregisseur Marc Webb eine wunderbar hintersinnige Anti-Romanze, die in den besten Momenten die Authentizität von Before Sunset erreicht und sich berechtigte Oscarhoffnungen machen darf.

(Florian Koch)

DATEN & FAKTEN

ÜBERBLICK

Titel: (500) Days Of Summer
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2009
Länge: 97 (Min.)
Verleih: Twentieth Century Fox

VERÖFFENTLICHUNGEN

Kinostart: 22.10.2009

Trailer

Fotogalerie

 (21 Bilder)

FILMBEWERTUNG

Klicken Sie auf einen Stern, um Ihre Bewertung abzugeben.

MEINUNGEN
Ihre Meinung zu diesem Film (Felder mit * müssen ausgefüllt sein)
Bisherige Kommentare (Anzeige: 1 von insgesamt 1)
Von: Schatzi89 am: 15.11.09
Einfach nur toll....
   
KINOSTARTS
10.05 Attenberg Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Athina Rachel Tsangari
10.05 Noordzee, Texas Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Bavo Defurne
10.05 Die Vermissten Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Jan Speckenbach
10.05 Sound It Out Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Jeanie Finlay
10.05 Ausgerechnet Sibirien Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Ralf Huettner
10.05 Schildkrötenwut Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Pary El-Qalqili
CANNES 2012
16.05.12 Moonrise Kingdom
29.02.12 Cannes 2012 - Das Plakat
23.05.11 Once Upon A Time In Anatolia
21.05.11 This Must Be The Place
20.05.11 Drive
ARTHOUSE TOP 10
Quelle: AG Kino
1. Ausgerechnet Sibirien Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 1
2. Und wenn wir alle zusammenziehen? Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 6
3. Best Exotic Marigold Hotel Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 9
4. Ziemlich beste Freunde Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 19
5. Barbara Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 10
6. My Week with Marilyn Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 4
7. Superclassico... Meine Frau will heiraten! Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 2
8. Tomboy Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 2
9. Die Königin und der Leibarzt Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 4
10. Medianeras Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 2
Lesercharts TOP 5
1. Bar25 - Tage außerhalb der Zeit Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Britta Mischer, Nana Yuriko
2. Die Tribute von Panem - The Hunger Games Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Gary Ross
3. Das Haus der Krokodile Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Cyrill Boss, Philipp Stennert
4. Work Hard - Play Hard Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Carmen Losmann
5. Martha Marcy May Marlene Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Sean Durkin
PARTNER