14 16/02

I cavallierie della laguna

Eine poetische und zutiefst menschliche Reise in die Tiefen der italienischen Orbotello Lagune versprach der Film zu werden. Philosophie, Fischen, der Mensch gegen die Natur, raue italienische Männer mit viel Leidenschaft für ihren Job und nicht zuletzt eine Kontemplation darüber, was Essen heutzutage bedeutet, wie es hergestellt wird und wie man es besser machen kann - all dies soll I cavallierie della laguna beinhalten. Nun, irgendwie stimmt das, aber irgendwie auch nicht. Denn nach dem Sichten des Filmes, der hier bei der Berlinale in der Sektion Kulinarisches Kino läuft, ist klar, dass der Marketingtext besser als die Dokumentation an sich ist.

(Still aus I cavallierie della laguna, Copyright: Insekt Film)

Ja, dieser Dokumentarfilm sieht fantastisch aus. Regisseur Bencini macht visuell das absolute Beste aus seinem Material. Das ist aber auch nicht allzu schwer, die Landschaft ist wunderschön und seine Protagonisten, die Fischer, liefern den raubeinigen, sonnengegerbten Kontrast zur weichen, blauen Wasseroberfläche. Aber hier kommt dann auch schon eines der größten Probleme, denn der Film ist doch ein wenig sehr verliebt ins Aussehen und wiederholt in epischer Länge und manchmal auch recht redundant seine ruhenden Nahaufnahmen, die sich am großen Ganzen, vor allem aber am kleinen Detail gern aufhalten. Ein Regentropfen, ein schwingendes Schild etc.pp.

Viel interessanter, zumindest für gut zwei Drittel des Films sind dann doch die Menschen, die hier an der Lagune leben und fischen. Der Film begleitet sie bei der Arbeit und zeigt ihre Techniken und wie es vom frischen Fisch bis zum eigenen Restaurant eine ganze Verwertungskette gibt, die sich die Bewohner aufgebaut haben. Mencini lässt seine Protagonisten erzählen und einordnen: wie wurde früher gearbeitet, wann kam die Krise und wie versorgt man sich jetzt? Welche Techniken benutzen sie? Dabei ist es erfrischend den unerschrockenen und offenen Männern bei der Arbeit zuzusehen. Die unterhaltsamsten Augenblicke schaffen diese durch ihre doch immer währende Irritation durch die Dreharbeiten. Mehrmals kommentieren sie vor laufender Kamera was das Produktionsteam ihnen vor den Dreharbeiten für Anweisungen gegeben hat. "Ihr müsst authentisch sein", sagt einer von ihnen und grinst in die Kamera - ein wunderbarer Bruch und eine stetige Erinnerung an die Grenzen solcher Dokumentationen und ihrer "Authentizität".

(Still aus I cavallierie della laguna, Copyright: Insekt Film)

Doch letztendlich fragt man sich bei der 100-minütigen Laufzeit dann doch nach dem Mehrwert. Aus den spannenden Momenten hätte man einen wunderbaren Kurzfilm machen können - ökologisch-philosophische Message inklusive. So bleibt I cavallierie della laguna dann doch nichts weiter als eine typische Dokumentation, wie es sie zurzeit im Dutzend billiger gibt. Aber immerhin bleibt einem dann nicht das 3-Gänge-Menu, das im Anschluss kredenzt wird, im Halse hängen.

(Beatrice Behn)

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