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Die Jagd

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Die Jagd - Trailer (deutsch)

WEITERE TRAILER & CLIPS ZU "Die Jagd"

"Kinder und Narren sagen immer die Wahrheit", so weiß der Volksmund. Kinder, so heißt es an einer Stelle des neuen Filmes von Thomas Vinterberg ("Das Fest"), können nicht lügen. Und weil das so ist, muss in diesem Fall eben jemand anderes lügen. Bei "Die Jagd" (OT: "Jagten") ist dies der Erzieher Lucas (Mads Mikkelsen), der sich aus heiterem Himmel mit Vorwürfen der sexuellen Belästigung und des Missbrauchs konfrontiert sieht, die sein Leben ebenso verändern werden wie das aller Beteiligten in diesem Film.

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(Anzeige: 2 von insgesamt 2)
Von: Tia am: 11.04.13
Seit "Das Fest" war es um Thomas Vinterberg still geworden. Mit "Die Jagd" hat er ein wahrhaft eindrucksvolles Comeback hingelegt. Und wie schon in "Das Fest" geht es auch hier um Kindesmissbrauch. Wo in "Das Fest" die Gemeinschaft schwieg und das Opfer der Lüge bezichtigte, wird hier nun die Gemeinschaft allzu sehr aktiv und grenzt den vermeintlichen Täter mit allen Mitteln aus ihren Reihen aus. Besonders erschreckend ist, dass eine einzige, unbedachte Anschuldigung eines Kita-Kindes eine Lawine losstößt, die das Leben eines Menschen in kürzester Zeit völlig zerstört, obwohl er ein festes Mitglied der Dorfgemeinschaft ist. Die Gewalt, mit der Lucas begegnet wird, ist nur allzu verständlich, wenn man sich in die Rolle der Dorfgemeinschaft versetzt. Würde man nicht selbst ähnlich handeln? Da man als Zuschauer aber zu keinem Zeitpunkt über Lucas' Unschuld im Zweifel ist, spürt man seine Verzweiflung und seine Hilflosigkeit gegenüber den zunehmend brutaler werdenden Angriffen umso stärker. Seine Unschuldsbeteuerungen treffen überall auf taube Ohren, sodass man am liebsten selbst den Leuten an den Kragen springen würde, um sie endlich zum Zuhören zu zwingen. Besonders erschreckend ist der Umgang der Erwachsenen mit dem Kind. Obwohl es zuerst heißt "Kindern kann man glauben. Die lügen nicht.", hören weder Eltern noch Erzieher dem Kind zu, als es versucht, die Lüge aufzuklären. Man sieht, wie sie mit Suggestivfragen und gefährlichem, psychologischen Halbwissen die Äußerungen des Mädchens manipulieren und missinterpretieren. Plötzlich geht es nicht mehr um die Wahrheit, sondern um den Einfluss unserer Erwartungen und bereits getroffener Urteile auf neue Informationen. Plötzlich ist jede Äußerung des Mädchens, die der Einstellung der Erwachsenen gegenüber Lucas widerspricht, ein Akt der Verdrängung und somit nur ein umso stärkerer Beweis seiner Schuld. Inwiefern können oder wollen wir noch die objektive Wahrheit erkennen, wenn wir uns bereits ein subjektives Urteil über einen Menschen gebildet haben? "Die Jagd" spielt schon wie "Das Fest" (und viele andere dänische Filme) mit den sozialen Beziehungen der Hauptdarsteller und der Psychologie des Menschen im Allgemeinen. Es ist immer wieder spannend zu sehen, wie sich im Verlauf dänischer Filme die Beziehungsgeflechte entwickeln, wie sie Halt geben können oder Menschen in den psychischen Abgrund stürzen. Alles in allem ein bedrückend schöner Film, der uns den Spiegel vorhält und von dem man Unglaubliches über Vorverurteilungen und psychosoziale Prozesse lernt.
Von: wignanek-hp am: 26.02.13
Auf diesen Film darf man wahrhaftig gespannt sein. Vinterberg traue ich das nötige Fingerspitzengefühl für ein solchen Thema zu. Ebenso dem Hauptdarsteller.