Terkel in Trouble

Originaltitel: Terkel i Knibe
Kinostart: 22.12.2005
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Anarchy in (the) DK!

Terkel ist ein ganz normaler dänischer Teenager mit ganz normalen Problemen, die kleine schusslige Schwester will überall dabei sein und nervt entsetzlich, weshalb sie zur Strafe auch immer wieder Treppen runterfällt oder sich sonstige Verletzungen zufügt. Die Eltern sind ... na ja, sagen wir mal ... unfähig bis exzentrisch, Terkels Mutter ist nie ohne Kippe anzutreffen, weshalb das gemütliche Haus der Famlie auch von dichten Nebelschwaden durchzogen wird, der Vater vergräbt sich hinter der Zeitung und beschränkt seine Kommunikation auf ein schlichtes „Nein“. Und Terkels Onkel, ein brummiger Seebär mit exzessivem Alkoholproblem, betreibt einen Kindernotruf, was der Formulierung „den Bock zum Gärtner machen“ eine neue Qualität gibt.

Zum Glück aber gibt es Jason, einen megacoolen Typen aus Terkels Klasse, der unverkennbar aus einer sozial schwächeren Gegend kommt, eine Vorliebe für blutrünstige Filme hat und der stets ein Eisenrohr mit sich herumträgt – „man weiß ja nie, wozu es gut ist.“ Sowieso repräsentiert die Klasse alle Facetten und Formen der pubertierenden Jugend von heute, vom spießigen Streber über frühreife Girlies, brutale Schlägertypen bis hin zur obligatorischen, dicken und sanftmütigen Außenseiterin Dorit. Dummerweise zieht sich Terkel den Groll der beiden Klassenrüpel Sten und Saki zu, die ihn zunehmend drangsalieren und auf üble Art und Weise mobben. Sein Umfeld reagiert – wie realistisch – vollkommen falsch, so dass der Druck auf den armen Jungen immer heftiger wird, so dass vor allem Dorit unter Terkels Befreiungsschlag und Wunsch nach Anerkennung zu leiden hat, bis sie schließlich sprichwörtlich „den Abflug macht“.

Einzig der neue Lehrer Gunnar, ein verständnisvoller Öko-Freak und Walldorf-Pädagoge, bringt zumindest Verständnis für Terkel auf, wenngleich seine gutgemeinten Ratschläge sich als vollkommen wirkungslos erweisen. Allerdings führt sich Terkel bei dem sanften Lehrer, dessen Wandergitarre natürlich mit einem „Atomkraft – Nein danke!“-Sticker beklebt ist, denkbar schlecht ein, denn aus Versehen setzt sich der Teenager auf eine kleine Spinne, die danach ziemlich platt ist, was dem Tierschützer Gunnar in der Seele weh tut. Ein kleines Detail am Rande, das es allerdings im Verlauf der weiteren Geschichte in sich haben wird. Bei einem Klassenausflug in den Wald, den der notorische Gutmensch Gunnar für die Klasse organisiert hat, kommt es schließlich zur Eskalation, die Drohungen gegen ihn nehmen zu und Terkel weiß plötzlich nicht mehr, ob er seinem besten Freund Jason trauen kann. Im finsteren Wald kommt es schließlich zu einem Showdown, wie er jedem Splatterstreifen gut zu Gesicht stehen würde.

Terkel in Trouble / Terkel i Knibe ist ein vollkommen politisch unkorrekter, überaus sarkastischer und manchmal schlichtweg bösartiger Film, der sich bei unseren dänischen Nachbarn zu einem der großen Kinohits des Jahres gemausert hat. Und er ist zugleich der erste dänische Animationsfilm in Spielfilmlänge, der auf einer in Dänemark höchst erfolgreichen Radioserie beruht. Zugegeben, in Sachen Tricktechnik sind die Amerikaner weiterhin führend, doch die Filmemacher wissen um die Beschränktheit der eigenen Mittel und kontern geschickt mit anarchischem Humor und gezielten Angriffen gegen die politisch korrekte Familienunterhaltung aus den Disney-Studios und anderen Animationsschmieden. Die Story ist dabei eher zu vernachlässigen, sehenswert sind vielmehr die vielen kleinen und feinen Details, rasante Kamerafahrten und Gesangseinlagen, freche Verweise auf filmische Meisterwerke wie Sieben (so ist der gesamte Vorspann eine Hommage an den Thriller) oder Der Pate sowie die manchmal erschreckend authentische Figurenzeichnung. Auch die Dialoge glänzen durch wüste Schimpfkaskaden und Passagen, die der amerikanische Zensur wohl komplett zum Opfer gefallen wären. Bela B. Felsenheimer, Schlagzeuger der Band Die Ärzte spricht sämtliche Rollen im Alleingang ein, was gar nicht mal so schlecht funktioniert, von gelegentlichen Ausrutschern einmal abgesehen.

Was die Dänen allerdings geritten hat, als sie sich dazu entschlossen, Terkel in Trouble /Terkel i Knibe den Robert, eine Art dänisches Pendant zum Oscar, neben den Kategorien Bester Sound, Beste Musik und Bester Song auch als Besten Familienfilm auszuzeichnen, das bleibt ein Geheimnis. Oder man hält es mit Douglas Coupland und konstatiert „Alle Familien sind verkorkst“. Die von Terkel ist es auf jeden Fall. Nur hat es selten so viel Spaß gemacht, das auf der Leinwand vorgeführt zu bekommen. Sehr schräge und trashige Kult-Animation für Menschen mit dem Hang zum drastischen Humor.

(Joachim Kurz)

DATEN & FAKTEN

ÜBERBLICK

Titel: Terkel in Trouble
Originaltitel: Terkel i Knibe
Produktionsland: Dänemark
Produktionsjahr: 2004
Länge: 78 (Min.)
Verleih: Movienet

VERÖFFENTLICHUNGEN

Kinostart: 22.12.2005

CAST & CREW

Trailer

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FILMBEWERTUNG

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Bisherige Kommentare (Anzeige: 5 von insgesamt 13)
Von: berd dietersen am: 16.06.08
Der originale Film auf dänisch is viel besser als auf deutsch!! Die meisten lustigen Sachen sind durch die Übersetzung verloren gegangen. ^^
Von: SUSi am: 16.03.06
HAb ihn noch gar nicht gesehen aber hey Bela B spricht alle Rolle und macht den Gesang das müsste doch Pluspunkte geben....hab leider keine Ahnung wo der Film zur Zeit im Kino läuf.... DIE ÄRZTE=DIE BESTE BAND DER WELT
Von: am: 23.12.05
Fies, gemein, hinterhältig und wirklich witzig.
Von: Chris am: 12.12.05
Boar geilo .. komm auch grad aus der Sneak .. war zuerst auch geschockt ... da ich eigentlich absolut der Gegner von so anomations movies bin .. aber der Film war echt mal geil .. wirklich sehr sarkastisch .. und witzig ... selten so gelacht *G* ...
Von: mugin am: 10.12.05
Einfach nur Geil! Selten so gelacht! Wer mal wieder ein super Film schauen will der sollte auf diesen nicht verzichten. Da lohnt der weg ins Kino!
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