Survival of the Dead

Kinostart: 06.05.2010
FSK: 18
Genre: Horror
Leserbewertung:
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Die Menschen sind einander Wolf genug

Die Zombiefilme, die George A. Romero inzwischen macht, schwingen immer mehr miteinander, gehen ineinander über, haben den Geruch eines großen Weltentwurfs, den wir aus verschiedensten Blickwinkeln, mit verschiedenen Erzählerstimmen zu sehen bekommen. Selten gab es einen so vielseitigen Blick auf eine sehr amerikanische Apokalypse, selten war sie so sehr Ausdruck ihrer jeweiligen Zeit und Reaktion darauf. Der Mann ist mittlerweile siebzig Jahre alt und will wohl noch einige Zeit weitermachen; hoffen wir das Beste.

Dabei waren ja die Anfänge eher bescheiden: Die Nacht der lebenden Toten war 1968 ein privates kleines Projekt, mit zusammengeliehenem Geld und Statisten aus dem Freundeskreis an vielen Wochenenden gedreht – dass Romero mit diesem Film sowie mit Zombie und Zombie 2 den klassischen Zombiefilms aus der Taufe heben würde, war da wirklich nicht abzusehen. Anschließend ließ er die fleischfressenden Untoten auch eine Weile ruhen, bis er mit Land of the Dead und Diary of the Dead in den letzten Jahren wieder Zombies auf die Leinwand brachte.

Ob er mit Survival of the Dead nun gewissermaßen eine zweite Trilogie zu Ende bringen wollte, weiß man freilich noch nicht; die jüngsten Filme sind jedenfalls dicht hintereinander entstanden und visuell wie thematisch enger verflochten als Romeros drei Klassiker. Im jüngsten Film äußert sich das zuallererst im Protagonisten: Colonel ‚Nicotine’ Crocket (Alan Van Sprang) tauchte als Nebenfigur bereits in Diary of the Dead auf, wo er als Anführer einer versprengten Einheit der Nationalgarde Vorräte der Hauptfiguren aus ihrem Campingbus zum eigenen Gebrauch "konfisziert".

Survival of the Dead erzählt also weiter, was mit den Nationalgardisten passiert – wenige Monate sind nach der Zombie-Apokalypse vergangen, irgendwie haben sie sich durchgeschlagen. Als sie einen jungen Mann (Devon Bostick) auflesen, bringt dieser sie auf die Spur einer kleinen Insel vor der Ostküste Amerikas, auf der angeblich Überlebende sichere Zuflucht gefunden haben.

Auf Plum sieht die Realität allerdings ein wenig anders aus: Zwar haben die Menschen dort die Zombies gut im Griff, dafür streiten sie sich darüber, wie mit ihnen zu verfahren sei. Soll man die ehemals ja Vertrauten, womöglich Verwandten, lieber durch Kopfschüsse ausschalten, wie Patrick O’Flynn (Kenneth Welsh) und sein Clan es fordern, oder doch besser einfangen, anketten und auf Heilung hoffen? Seamus Muldoon (Richard Fitzpatrick) vertritt diese These und jagt O’Flynn von der Insel; später kehrt dieser gemeinsam mit den Soldaten wieder zurück.

Dass dieses Set-Up reichlich Konflikte ermöglicht, ist klar; und mehr noch als in Romeros bisherigen Filmen bekriegen sich die Menschen hier untereinander, während die Zombies eher ein Problem sind, über das gesprochen und verhandelt und gestritten wird, als dass sie tatsächlich fortwährend gefährlich wären. Das entspricht in vielem den politischen Botschaften, die Romero in seine Filme integriert hatte – stets waren die Menschen einander Wolf genug, die Zombies allenfalls der Dampfkochtopf (und natürlich Metapher für die machtlosen Massen) oder vielleicht Katalysator, durch den die Konflikte sich zuspitzten.

Verstärkt wird das in Survival of the Dead noch dadurch, dass O’Flynn und Muldoon – beides irischstämmige Patriarchen, die Widerspruch weder gewohnt sind noch bereit, ihn hinzunehmen – nicht eben sympathische Figuren sind. (Da verbündet sich der Film auf eine weitere Art mit dem postklassischen Western, dem er sonst – in Figurenkonstellationen, Einstellungen und vielem mehr – Reverenz erweist.) Im Gegenteil, ihre Rechthaberei ist für alle Beteiligten schließlich lebensgefährlich. Welche der Antworten, die die beiden auf die Frage nach dem Umgang mit den Zombies geben, die wirklich richtige ist, bleibt so zwar im Film (vielleicht) nicht unbeantwortet, ist aber letztlich ohne Bedeutung, werden sie doch beide durch das Verhalten der Männer diskreditiert. Das ist in gewisser Hinsicht ein Fortschritt an Komplexität zu Romeros bisherigen Arbeiten, bei denen oft Richtig und Falsch allzu klar in den Figuren verteilt sind; es geht jedoch Hand in Hand mit dem Eindruck einer gewissen Konzentrationsschwäche im Erzählen.

Denn letztlich mäandert die Geschichte eine Weile drollig hin und her, macht das Drehbuch allerlei Nebenschauplätze auf und bündelt sie am Ende in einem blutigen Zombieangriff, der natürlich, das Genre will es so, irgendwann kommen musste, hier aber eben auch alle vorher angelegten Beziehungen und Konflikte in einem großen Blut- und Gedärmebad verabschiedet.

Womöglich ist das aber nur ein Trick: Vielleicht will Romero damit das Geschichtenerzählen an sich, die großen Entwürfe, die ethischen Fragen für seine apokalyptische Welt verabschieden und ihre Sinnlosigkeit im Angesicht der Zerstörung vor unseren Augen ausbreiten. Bleibt nur die Frage, ob man daraus doch noch irgendwie einen spannenden Film machen könnte.

(Rochus Wolff)

DATEN & FAKTEN

ÜBERBLICK

Titel: Survival of the Dead
Produktionsland: Kanada, USA
Produktionsjahr: 2009
Länge: 90 (Min.)
Verleih: Kinostar / Splendid Film

VERÖFFENTLICHUNGEN

Kinostart: 06.05.2010

Trailer

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