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Paranormal Activity

Meinungen
46

4 Sterne aus 198 Bewertungen

Kinostart: 19.11.2009
FSK: 16
Genre: Horror
Tags: Dämon, Haus, Ehepaar

Sensation oder Hype?

Sensation! Der gruseligste Horrorfilm seit Jahrzehnten! Frauen, die ohnmächtig im Kinosessel kollabieren, Männer, die weinen wie kleine Kinder. Glaubt man dem Viral Marketing für Paranormal Activity ist halb Amerika zurzeit traumatisiert und in psychologischer Notbehandlung wegen nächtlicher Bettnässerei. Filme, die mit solchen Nachrichten in den europäischen Kontinent schwappen, müssen sich gefallen lassen, dass die Erwartungen und Ansprüche an Geschichte und Umsetzung sehr hoch sind.

Um auf Nummer sicher zu gehen, wählte Oren Peli für sein Low Budget Erstlingswerk den Weg von Blair Witch Project. Man nehme ein Haus, zwei Laiendarsteller, denen man aus Gründen der Authentizitätsbildung gar nicht erst einen anderen Namen gibt und etwas unsichtbares Böses. Heraus kommt folgende Geschichte: Als Micah und Katie endlich in Micahs Haus zusammenziehen, kommt es zu unerklärlichen Störungen. Das liegt daran, dass Katie ein bisschen mehr mitgebracht hat als nur ihre Koffer. Seit ihrem achten Lebensjahr wird sie konstant begleitet von einem an ihre Person gebundenen Dämon. So die Erklärung des hinzugezogenen Exorzismusexperten, der die beiden davor warnt, mit dem Dämon Kontakt aufzunehmen oder ihn zu verärgern. Doch Micah kann nicht hören, zu spannend sind die Ereignisse. Besessen darauf den Fall zu lösen und voller Überzeugung, dass sein technisches Equipment wie Kamera und Mikrofone ihm dabei helfen werden, beginnt er sich mit dem unsichtbaren Übel anzulegen.

Während die pseudoauthentische Billigästhetik bei Blair Witch Project ganz erfrischend war, ist dieser Film völlig befangen von dem Versuch diese möglichst eindeutig zu kopieren. Das wäre zumindest eine Erklärung für die eindimensionale, billig fabrizierte Umsetzung. Die andere wäre, dass es sich bei diesem Film wirklich um Dilettantismus bzw. ein gutes Beispiel dafür handelt, warum nicht jeder Besitzer einer Digitalkamera gleich ein Regisseur ist. Die beiden Darsteller sind langweilig, ihr Schauspiel hölzern bis albern. Den Horror, den die beiden angeblich erleben, vermögen sie nicht zu transportieren. Das mag aber auch an der Darstellung des Grauens selber liegen. Wie am Reißbrett geschneidert steigert sie sich von Szenen, in denen ein Schlüssel zu Boden fällt bis hin zum Angriff der Bestie. Diese Ereignisse und ihre Intensität verfangen sich in einer Brühe aus Vorhersehbarkeit und schierer Langeweile. Eigentlich passiert nicht wirklich viel. Was es auch nicht muss, würde der psychologische Terror stimmen, den der Film auszulösen versucht. Nur gruselt man sich nicht und das Schicksal der beiden Darsteller ist einem auch egal, denn beide sind furchtbar unsympathisch.

Anstatt eines paranormalen Horrorereignisses zu frönen, findet man sich eigentlich in der heterosexuellen Beziehungshölle wieder, die vor Klischees nur so strotzt - als hätte es in den letzten 30 Jahren gar keine Gender-Debatten gegeben. Micah ist unerträglich egoistisch und stur. Er ignoriert sämtliche Wünsche und Bedürfnisse seiner Freundin und ist besessen von seiner Technik und dem Wunsch, dem Eindringling den Garaus zu machen. Man kann es ihm nicht verdenken, hat der Dämon doch so einiges mehr auf dem Deckel als er. Die Dämon-Micah Situation erinnert zunehmend an eine Art vorpubertären Penisvergleich – ein Spiel um die Macht im Haus und über die Frau. Katie hingegen entspringt direkt einem Gruselfilm aus den 1950er Jahren, wo Frauen eher Weibchen sind und nur schreien, weinen und in Ohnmacht fallen. Die beiden gehen einem so auf den Nerv, dass man nach kurzer Zeit heimlich auf Seite des Dämons ist und ihm leise aus dem Kinosessel zuruft "Mach sie platt!", damit endlich Ruhe ist.

Subtrahiert man die riesige PR-Kampagne und hat man auch nur geringfügige Ansprüche an gutes Schauspiel, eine interessante Geschichte und tatsächlichen psychologischen Horror, sollte man diesem Film fern bleiben und lieber Poltergeist in fünfter Wiederholung angucken. Das ist auf jeden Fall spannender als Paranormal Activity.

(Beatrice Behn)

Daten & Fakten

Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2007
Länge: 87 (Min.)
Verleih: Wild Bunch / Central Film
Kinostart: 19.11.2009

Cast & Crew

Regie: Oren Peli
Drehbuch: Oren Peli
Schnitt: Oren Peli
Hauptdarsteller: Katie Featherston, Micah Sloat, Michael Bayouth, Amber Armstrong, Mark Fredrichs

MEINUNGEN

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Bisherige Meinungen

(Anzeige: 5 von insgesamt 46)
Von: Paule am: 12.10.12
Manche Leute sollten vielleicht weniger Kritiken/Trailer im Voraus sehen, dann ist die Erwartungshaltung auch nicht so hoch... Vor allem diese Effekt gesteuerten Leute sind es, die den Film letztendlich schlecht bewerten, weil sie nur optisch - und nicht empathisch - in der Lage sind einen Horrorfilm nachzuempfinden. Dazu gehört die wohl unqualifizierteste Kritikerin auf der Seite wohl auch dazu... Ich hab den Film gerade das erste Mal gesehen und ich bin Hin und Weg. Alleine in einem dunklen Raum, ich konnte am Ende teilweise nur schwer hinsehen und war so gefesselt wie nie. Dieser Film ist sowas von Genial, mir tun die Leute ein wenig Leid die den Film nicht zu schätzen wissen weil sie einfach nicht erkennen worauf es ankommt. Aber wartet mal, die nächste 100Mio$ Produktion kommt bestimmt.
Von: Vincent am: 11.03.12
Traurig, dass diese Frau überhaupt Kritiken schrieben darf. Vielleicht sollte sie lieber bei " Brigitte" anheuern. Selten so eine ahnungslose und gespürlose Kritik über einen der wenigen wahrlich interessanten, originellen Horrorfilme der letzten Jahre gelesen. Das Publikum im Kino beweist um Glück mehr Fantasie und Vorstellungsvermögen als die gänzlich fantasielose Rezensentin und hat den Film zum Hit gemacht.
Von: rainer am: 04.09.11
Klar sind Geschmäcker verschieden, deshalb verdenke ich es auch keinem, wenn er sagt der Film ist schlecht. Mir hat er auf jeden Fall gefallen, gerade weil er mal was anderes war. Aber selten habe ich eine so grottig schlechte Kritik gelesen, voller Vorurteile, Emmanzengehabe und fern ab von Toleranz und Einfühlungsvermögen. Wer so engstirnig zu sein scheint, der sollte keine Kritiken schreiben.
Von: Cajux am: 30.07.11
Nie eine so kontraproduktive Kritik gesehen. In dieser Kritik wird der subtile Horror einfach nicht verstanden
Von: Andreas am: 24.07.11
Ich wunder mich wirklich über diese Kritik da dieser Film mal neu und außergewöhnlich war. Aber scheinbar braucht man mehr Verstand damit der Psychologische Horror auch bei einem Ankommt. Ich bin der Meinung gerade weil bei diesem Film nicht viel passiert ist ist er gut da er sehr realistisch ist und auch ohne große Computeranimationen oder Monster auskommt. Und zu der Schauspielerischen Leistung die fand ich sehr gut da man die Verzweiflung der Schauspieler miterlebt. Und was in der Kritik steht von wegen Penisvergleich das ist einfach Unsinn! Ich finde den Film empfehlenswert da er viele neue Ideen hat und auch wirklich mal realistisches Geisterverhalten gezeigt wird und nicht dieses ständige Blutige Gemetzel wie in anderen Filmen.

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