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Michael Kohlhaas

Meinungen
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13 Bewertungen

Kinostart: 12.09.2013
FSK: 12
Genre: Drama, Literaturverfilmung
Tags: Gerechtigkeit, Cannes 2013, Cannes 2013 - Wettbewerb, Heinrich von Kleist
 

Mads Mikkelsen spielt Mads Mikkelsen

Wenn das mal nicht ein Grund zur Freude für Schüler ab der Jahrgangsstufe 9 ist - Heinrich von Kleists seit vielen Jahren gefürchtete Schullektüre Michael Kohlhaas ist wieder einmal verfilmt worden, so dass in Deutschlands Klassenzimmern die Hoffnung aufkeimen könnte, dass man sich auf diese Weise um die Lektüre herumdrücken kann. Die Hoffnung aber könnte sich als eine trügerische erweisen, denn Arnaud de Pallières' Neuverfilmung des Stoffes wurde nicht nur auf französische Verhältnisse angepasst, sondern ist auch trotz Schauspielstars wie Mads Mikkelsen und Bruno Ganz eine recht dröge Angelegenheit, die zumindest die Zähigkeit der Lektüre angemessen wiedergibt.

De Pallières wesentlicher Ansatz (oder nennen wir es besser Versuch) besteht vor allem in der Verlegung der Vorlage in die französischen Cevennen - was zu der seltsamen Konstellation führt, dass man sich unwillkürlich fragt, was ein deutscher Pferdehändler zu jener Zeit im Süden Frankreichs zu suchen hat und welche Komplikationen sich hieraus ergeben könnten. Diesen Komplex streift der Film aber nichtmal ansatzweise, stattdessen - und auch das erfährt man eher nebenbei - gibt es immerhin eine kurze Episode mit einem wenig überzeugenden hugenottischen Pastor (Denis Lavant), der sich als Hüter der weltlichen Ordnung herausstellt. Ergänzt wurde die literarische Gestalt des Michael Kohlhaas in der Neuverfilmung durch einige neu eingeführte Nebenfiguren, die den Helden in ein Milieu einfügen und ihn eher zu einem Anführer Aufständischer als zum Streiter für abstrakte Prinzipien machen. Das immerhin passt ganz gut zur kontextuellen Verknüpfung mit den Hugenotten-Aufständen des 16. Jahrhunderts.

Ob Mads Mikkelsen hingegen eine gute Wahl als Protagonist in diesem Film war, ist zumindest fraglich. Was weniger an seinen schauspielerischen Fähigkeiten liegt, als vielmehr an der mittlerweile enormen Bekanntheit und seinem Ruf als "Schmerzensmann Europas". Wie letztes Jahr in Thomas Vinterbergs Die Jagd, so leidet er auch in diesem Jahr enorm in seiner Rolle - allerdings mit deutlich eingeschränktem mimischen Repertoire. Zudem könnte man den Michael Kohlhaas durchaus so anlegen, dass der dafür ausgesuchte Schauspieler eine möglichst breite Projektionsfläche bietet. Doch Mads Mikkelsen steht allein durch seine Präsenz so sehr im Fokus der Aufmerksamkeit, dass man in ihm nie die Filmfigur Michael Kohlhaas sieht, sondern in erster Linie den Schauspieler Mads Mikkelsen, der jenen Pferdehändler spielt. Eine wirkliche Identifikation mit dem außer Rand und Band geratenen Michael Kohlhaas, der wohl der erste literarische Ausdruck des heute oftmals gescholtenen Wutbürgers ist, fällt dadurch mehr als schwer.

Wodurch sich fast automatisch die Frage anschließt, was diese Neuinterpretation von Heinrich von Kleists Novelle eigentlich noch Neues zu erzählen hat, was sie jenseits der Werktreue in unserer Zeit auf der großen Leinwand zu suchen hat. Zumindest diese Frage, in Wirklichkeit aber noch viele weitere, lässt Arnaud de Pallières Film offen und verpasst damit die Chance, aus einem Klassiker einen spannenden, weil gerade heute aktuellen Film zu machen. Vielleicht hätte der Regisseur mal besser nach Deutschland geschaut - dort erfuhr der Film nämlich gerade erst im letzten Jahr mit Aron Lehmanns Kohlhaas oder die Verhältnismäßigkeit der Mittel ein sehenswertes und überwiegend gelungenes Update. Vielleicht sollten sich das ja mal Lehrer mit ihren Schülern parallel zur Lektüre der Novelle anschauen - der Gewinn wäre jedenfalls größer als bei de Pallières misslungener Neuinterpretation.

(Joachim Kurz)

Daten & Fakten

Produktionsland: Deutschland, Frankreich
Produktionsjahr: 2013
Länge: 122 (Min.)
Verleih: Polyband / 24 Bilder
Kinostart: 12.09.2013

Cast & Crew

Regie: Arnaud des Pallières
Drehbuch: Arnaud des Pallières, Christelle Berthevas
Kamera: Jeanne Lapoirie, Adrien Debackere
Schnitt: Sandie Bompar, Arnaud des Pallières
Musik: Martin Wheeler, The Witches
Hauptdarsteller: Bruno Ganz, Mads Mikkelsen, Sergi Lopez, Amira Casar, David Kross, David Bennent, Denis Lavant, Paul Bartel, Mélusine Mayance, Jacques Nolot, Swann Arlaud, Roxane Duran, Delphine Chuillot

MEINUNGEN

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Bisherige Meinungen

(Anzeige: 1 von insgesamt 1)
Von: Filmfan am: 18.09.13
Ich kann den Film nur jedem empfehlen, der Lust auf eine schöne, emotionale Literaturverfilmung mit Anspruch hat, die zum Nachdenken anregt. Schön, dass es solche Filme neben den Mainstreamfilmen (die ich teils auch gerne sehe) noch gibt.

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