Zurück zur Übersicht

Flash of Genius

Meinungen
0

4 Sterne aus 6 Bewertungen

Kinostart: 25.06.2009
FSK: o.Al.
Genre: Drama, Geschichte
Tags: Erfinder, Betrug, Gerichtsverhandlung, Automobilindustrie, Patent

Ungleicher Machtkampf

Stürmischer Regen trommelt gegen die Frontscheibe des Autos, die Wischerblätter sorgen für einen klaren Durchblick und jeder Autofahrer ist mehr als glücklich über die Erfindung des Intervallscheibenwischers. Was es mit dieser Erfindung auf sich hat und welche Schwierigkeiten damit verbunden waren, zeigt das äußerst spannende Regiedebut Flash of Genius von Marc Abraham.

Bob Kearns (Greg Kinnear), seines Zeichens Universitätsprofessor, sitzt 1967 mit seiner vielköfigen Familie bei Nieselregen im Auto. Die Scheibenwischer quälen sich über die Windschutzscheibe und geben quietschende Geräusche von sich. Das muss sich ändern, denkt der Erfinder und konzipiert nach Wochen im heimischen Keller die Weltneuheit des Intervallscheibenwischers. Dank der Unterstützung seines Freundes Gil Privick (Dermot Mulroney) wird ein Kontakt zu dem Automobilgiganten Ford hergestellt. Der ist an der Erfindung brennend interessiert - sitzen doch die eigenen Forscher seit langem schon erfolglos an der Umsetzung dieser Idee – aber zahlen will man dafür nicht. Bei mehreren Millionen produzierter Autos im Jahr wäre dies eine unerhörte Ausgabe, die sich der Vorstand lieber sparen will. Ohne das Wissen und die Zustimmung von Kearns verwenden sie dessen Vorführmodell und bauen es kurze Zeit später in den neuen Ford Mustang serienmäßig ein. Von nun an beginnt ein Kampf zwischen David und Goliath. Kearns will den großen Konzern verklagen, um Gerechtigkeit zu bekommen. Er will, dass die Entdeckung des Intervallscheibenwischers seinen Namen trägt – nicht mehr und nicht weniger. An Geld ist der sechsfache Familienvater nicht interessiert, einzig die Ungeheuerlichkeit, dass Ford sich unrechtmäßig seiner Erfindung bedient hat, will er öffentlich machen. Die nächsten Jahre des Rechtsstreites gehen nicht spurlos an ihm vorbei. Die Ehe zu seiner Frau Phyllis (Lauren Graham) geht in die Brüche, er erleidet einen Nervenzusammenbruch und muss in die Psychiatrie und auch seine Kinder haben ein gespaltenes Verhältnis zu ihm, denn sein Kampf um Gerechtigkeit artet in Obsession aus. Letztendlich erhält er allen voran von seinem Sohn Dennis (Jake Abel) die notwendige Hilfe und setzt mit seinem unermüdlichen Einsatz Maßstäbe für Patenthonorierungen und das Urheberrecht geistigen Eigentums.

Ein Film über Scheibenwischer? Das klingt in erster Linie unspektakulär und scheint höchstens für Autofreaks interessant zu sein. Dem ist aber mitnichten so, denn Dank der brillanten darstellerischen Leistung von Greg Kinnear und Lauren Graham und der thrillerähnlichen Aufmachung, ist Flash of Genius ein eindrucksvoller Film, der gleichsam als Psychodrama und als Industriethriller konzipiert ist. Neben dem Hauptdarsteller Kearns wird immer wieder der Scheibenwischer in das Zentrum der Kamera gestellt und mittels fesselnder musikalischer Untermalung und Zeitlupenaufnahmen wird so aus einem unscheinbaren Gegenstand ein spannungstragender sächlicher Protagonist. Dass das Regiedebut von Marc Abraham gerade in einer Zeit der Wirtschaftskrise herausgebracht wird, in der es vor allem die Autoindustrie hart trifft, stimmt nachdenklich und beleuchtet um so mehr die ausbeuterischen Strukturen, die letztendlich auch zur aktuellen Krise führten.

Geld, Macht und Gier haben den Ford-Konzern einst dazu veranlasst, den Wissenschaftler und Entdecker des Intervallscheibenwischers Bob Kearns in die Knie zwingen zu wollen. Womit sie nicht gerechnet haben, war, dass sowohl Kearns als auch seine Familie nicht käuflich waren. Das ist insofern beeindruckend, da er die ihm angebotene Summe von dreißig Millionen Dollar ausschlug. Eine Summe, bei der die meisten wohl ihre ethischen und moralischen Prinzipien über Bord werfen würden. Kearns hat zwar nach dem Prozess weniger Geld erhalten, dafür aber seine Würde und seinen Stolz bewahrt. In Zeiten der Leistungsgesellschaft, in der das einzelne Individuum kaum etwas zählt, ist dies als mutmachendes Verhalten zu sehen und gleichzeitig die subtile Aufforderung, den eigenen Prinzipien treu zu bleiben.

(Silvy Pommerenke)

Daten & Fakten

Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2008
Länge: 119 (Min.)
Verleih: Kinowelt Filmverleih
Kinostart: 25.06.2009

Cast & Crew

Regie: Marc Abraham
Drehbuch: Philip Railsback, John Seabrook
Kamera: Dante Spinotti
Schnitt: Jill Savitt
Musik: Aaron Zigman
Hauptdarsteller: Dermot Mulroney, Alan Alda, Greg Kinnear, Lauren Graham, Jake Abel

MEINUNGEN

Ihre Meinung zu diesem Film (Felder mit * müssen ausgefüllt sein)

Partner

  • Deutsche Film- und Medienbewertung
  • Arthaus Filme
  • Filmförderung Baden-Württemberg
  • Filmfest München
  • Festival Scope