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Die Prüfung

Meinungen
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4 Sterne aus 3 Bewertungen

Kinostart: 19.05.2016
FSK: o.Al.
Genre: Dokumentarfilm
Tags: Schauspielschule, Entscheidung, Aufnahmeprüfung, Schauspiel, Dozent, Berlinale 2016, Berlinale 2016 Perspektive Deutsches Kino

Die Kunst des Entscheidens

Wahrscheinlich haben nicht wenige Menschen schon einmal davon geträumt, Schauspieler zu werden. Doch wer es tatsächlich versucht, wird feststellen: Der Weg ist steinig – ein Kraftakt eben. Bereits die Aufnahme an einer Schauspielschule verlangt den Beteiligten alles ab, wie der Dokumentarfilm Die Prüfung von Till Harms eindrucksvoll deutlich macht. Harms zeigt nicht nur die Mühen der Möchtegern-Studenten und Dozenten der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, die mit der Bewerbung verbunden sind, sondern auch – und das ist die große Stärke seines Films –, dass die Auswahl ein äußerst schwieriger, subjektiver Prozess ist, in dem es stark "menschelt".

Spielfilme sind ohne Schauspieler kaum denkbar. Jedes Jahr gibt es etliche Preise, die für die besten Schauspielerinnen und Schauspieler vergeben werden. Doch was ist eigentlich gutes Schauspiel? Und welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um diesen Beruf zu erlernen? Wie der Auswahlprozess an Schauspielschulen abläuft, ist wenigen bekannt. Dass Harms dem Zuschauer einen Einblick und eine Vorstellung davon gibt, wie es für die Beteiligten ist und was es mit ihnen macht, ist der Erfolg seines Dokumentarfilms. 687 Bewerber, 10 Plätze, 9 Dozenten, 10 Tage – das sind lediglich die technischen Parameter des Films. Seine menschliche Seite aber ist das eigentlich Interessante.

Schauspieler machen Filme lebendig. Doch die Gleichung gilt auch umgekehrt: Manche Menschen scheinen erst zum Leben zu erwachen, wenn sie sich einer Rolle hingeben. Wenn sie in den Gängen der Universität sitzen oder nervös auf und ab gehen und sich auf die Prüfung vorbereiten. Allerdings sind nicht nur die jungen Anwärter auf die begehrten Ausbildungsplätze der Filmhochschule Menschen mit sehr unterschiedlichen Perspektiven und Meinungen, sondern sie sind auch in den Auswahlgremien der Universitäten zu finden, die jedes Jahr vor der schwierigen Aufgabe stehen, die richtigen aus der Vielzahl von Bewerbern auszusuchen. Da kann es schon mal vorkommen, dass sich fast alle des Kollegiums einig sind, ein Lehrer aber seine ganze Autorität in die Waagschale wirft, um die Aufnahme einer bestimmten Schülerin zu verhindern. Man kann also durchaus sagen, dass es in Die Prüfung nicht in erster Linie um die Aspiranten der Schauspielschule geht, sondern darum, wie Menschen Kunst beurteilen, mit welchen Argumenten beziehungsweise mit welcher Rhetorik sie das eine als gut, das andere als weniger gelungen betrachten. In diesem Wechselspiel aus gut begründeter Meinung des Experten und subjektiver Präferenz des normalen Menschen – wobei beide Typen in den einzelnen Personen des Auswahlgremiums in unterschiedlicher Ausprägung zusammenkommen –, in der Qual der Wahl liegt der wahre Reiz dieses Dokumentarfilms. "Nur die Fragen, die prinzipiell unentscheidbar sind, können wir entscheiden" (Heinz von Förster).

Während die verschiedenen Perspektiven auf Schauspielkunst zu den großen Stärken dieses Dokumentarfilms gehören, hängt direkt damit auch etwas zusammen, das man als Schwäche ansehen könnte – nämlich, dass es dem Regisseur durch die zahlreichen involvierten Personen nicht gelingt, in die Tiefe zu gehen. Alles bleibt Oberfläche. Andererseits ist dies wiederum auch der Clou von Harms Zugang, indem er ganz bewusst auf Masse setzt und dadurch die Maschinerie Filmhochschule fassbar macht, in der nun mal aus einer Vielzahl von Bewerbern ausgewählt werden muss. Wer einen tieferen Einblick möchte, dem sei Die Spielwütigen von Andres Veiel empfohlen, die vier Schüler der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin während des gesamten Studiums begleitet. Harms Film ist sozusagen das Gegenstück, die andere Seite der Medaille, von Veiels Langzeitdokumentation. Die Entscheidung, ob man sich diesen hervorragenden Dokumentarfilm ansieht, sollte jedem nicht allzu schwerfallen.

(Björn Helbig)

Daten & Fakten

Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2016
Länge: 96 (Min.)
Verleih: Lichtblick Media
Kinostart: 19.05.2016

Cast & Crew

Regie: Till Harms
Kamera: Börres Weiffenbach

MEINUNGEN

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Bisherige Meinungen

(Anzeige: 1 von insgesamt 1)
Von: wignanek-hp am: 13.03.16
Ein toller Film, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

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