Der tschechische Traum

Originaltitel: Cesky Sen
Kinostart: 06.04.2006
Leserbewertung:
Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen Filmwecker stellen In Kinoprogramm finden

Im Kaufrausch

Die Staaten des ehemaligen Ostblocks, allen voran Tschechien sind im Vormarsch: Zumindest was den Konsum anbelangt, haben sie den Westen längst eingeholt, und oft genug auch überrundet. Ein Grund für den Boom sind die riesigen Einkaufszentren, die Hypermarkets, die jeden normalen Supermarkt in den Schatten stellen und alle Waren anbieten, die ein Durchschnittsbürger mindestens einmal im Jahr benötigt – also quasi alles. Freiheit, so scheint es, ist vor allem die Freiheit zu konsumieren bis der Arzt kommt, ein Trend, der nicht nur für die jungen Demokratien des ehemaligen Ostblocks gilt, doch dort sind die Verwerfungen und die Kontraste aus dem allgegenwärtigen Konsumterror schärfer und härter.

Vit Klusák und Filip Remunda haben diese Entwicklung in ihrem Land seit langem beobachtet und beschlossen, darauf auf ihre ganz eigene Weise und mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zu reagieren – denen des Films. Sie inszenierten einen gigantischen Werbefeldzug für die Neueröffnung eines neuen Marktes namens „Cesky Sen“ (auf Deutsch: der tschechische Traum) – einen Hypermarkt, den es gar nicht gibt und niemals geben wird. Mit Hilfe einer renommierten Werbeagentur starteten sie eine aufwändige Kampagne, schalteten TV- und Radio-Spots, bestückten 400 Leuchtreklametafeln, druckten 200.000 Werbeflyer mit angeblichen Cesky Sen Markenartikeln, kreierten ein Werbejingle, eine eigene Webseite und platzierten Anzeigen in Zeitungen und Magazinen. Die Botschaften, die sie vertraten „Geht nicht hin!“, Gebt kein Geld aus!“, waren witzig und weckten die Neugier – wenn man es so sehen wollte.

Doch als sich am Eröffnungstag auf der grünen Wiese, wo der tschechische Traum vom Super-Billig-Schnäppchenkauf Wirklichkeit werden sollte, 4.000 Menschen drängten, stand dort nur eine 10m x 100m große Fassade, ein potemkinsches Dorf, eine riesige Illusion. Der tschechische Traum war geplatzt wie eine Seifenblase. Aus der Traum.

Der tschechische Traum / Cesky Sen ist eine schlaue, gewagte und zum Nachdenken anregende Parabel über die Allmacht des Konsums, unsere Verführbarkeit und die manipulative Kraft der Werbung und des Marketing, die Bedürfnisse wecken, so lange nur der Preis stimmt. Ganz gleich, was das mit den Menschen anrichtet, welche Träume, Wünsche und Hoffnungen geweckt werden und ob diese überhaupt erfüllt werden können. Ein Film, der betroffen macht und zugleich zum Lachen reizt. Doch seinen wahren Effekt erzielt er nur, wenn man willens ist zu sehen, dass genau das Gleiche auch hierzulande passieren könnte. Denn Der tschechische Traum /Cesky Sen steht nicht allein für ein postkommunistisches Phänomen, sondern für einen allgemeinen Trend in der westlichen Welt: „Immer billiger, immer mehr, und das alles sofort!“ Es wird Zeit, dass wir aus diesem Traum aufwachen. Denn das wahre Glück – so könnte man die Botschaft dieses Films auch interpretieren – liegt auf der Wiese.

DATEN & FAKTEN

ÜBERBLICK

Titel: Der tschechische Traum
Originaltitel: Cesky Sen
Produktionsland: Tschechien
Produktionsjahr: 2004
Länge: 87 (Min.)
Verleih: Real Fiction Filmverleih

VERÖFFENTLICHUNGEN

Kinostart: 06.04.2006

CAST & CREW

Trailer

Fotogalerie

 (5 Bilder)

FILMBEWERTUNG

Klicken Sie auf einen Stern, um Ihre Bewertung abzugeben.
MEINUNGEN
Ihre Meinung zu diesem Film (Felder mit * müssen ausgefüllt sein)
Anfang     <     1     2     >     Ende
Bisherige Kommentare (Anzeige: 5 von insgesamt 7)
Von: Krtek am: 08.10.07
Der Kommentator hat diesen Film völlig falsch verstanden. Es ging überhaupt nicht um das Kaufverhalten "immer billiger" sondern um die Macht der Werbung, hier insbesondere bezogen auf die Werbekampagnen der tschechischen Regierung für den EU-Beitritt. Es sollte demonstriert werden, wie Werbung die Menschen manipulieren und für dumm verkaufen kann, wenn man nur geschickt genug die Schwächen der Menschen ausnutzt. Und für diese Manipulation bezahlt der Kunde auch noch selbst, im Falle der EU-Werbung 200 Mio. Euro aus Steuergeldern. Der Kunde bzw. Wähler wird zu etwas bewegt, was er im Grunde gar nicht möchte.
Von: Sophie am: 07.10.07
was für ein wahnsinnig guter film - schön, dass es heutzutage noch derartige spiegel gibt!
Von: Katja am: 24.06.07
Großartig! Dieser Film sollte auch hierzulande viel besser zugänglich sein!
Von: untergrund am: 03.07.06
klasse film, es sollte mehr von dieser art geben. und, sie sollten mehr aufmerksamkeit durch ebendiese bessere vermarktung erreichten! tolle idee--
Von: Christine Hofer am: 01.04.06
Ja, die Werbung allein an Plakatwänden war auf eine ganz seltsame Weise wahnsinnig aufdringlich, obwohl das Logo doch ganz simpel gemacht ist... Dieser Film ist wirklich ein Geniestreich, auch wenn ich befürchte, dass sich in Deutschland wieder niemand dafür finden wird. Da merkt man: In Deutschland hätte das auch wunderbar funktioniert.
Anfang     <     1     2     >     Ende
   
KINOSTARTS
02.09 Kennzeichen Kohl Film Rezension anzeigen Kein Trailer vorhanden Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Jean Boué
02.09 Zwischen uns das Paradies Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Jasmila Zbanic
02.09 Daniel Schmid - Le chat qui pense Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Pascal Hofmann, Benny Jaberg
02.09 Jane's Journey - Die Lebensreise der Jane Goodall Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Lorenz Knauer
02.09 Wasser und Blut Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  John G. Young
09.09 Pianomania Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Lilian Franck, Robert Cibis
ARTHOUSE TOP 10
Quelle: AG Kino
1. Der kleine Nick Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 2
2. Männer im Wasser Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 3
3. Das Leben ist zu lang Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 2
4. Das Konzert Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 6
5. Mary & Max - oder: Schrumpfen Schafe, wenn es regnet? Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 2
6. Babys Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 3
7. Me Too - Wer will schon normal sein? Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 5
8. Mademoiselle Chambon Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 4
8. London Nights Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 4
9. Mahler auf der Couch Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 9
Lesercharts TOP 5
1. Summer Wars Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Mamoru Hosoda
2. Ich & Orson Welles Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Richard Linklater
3. Mary & Max - oder: Schrumpfen Schafe, wenn es regnet? Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Adam Elliot
4. New York Memories Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Rosa von Praunheim
5. The Doors - When You're Strange Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Tom DiCillo
PARTNER