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Der Preis des Aufstiegs
Um ein Haar wäre der neue Film von Woody Allen gar nicht ins Kino gekommen. Sondern nur als DVD zu haben gewesen. Doch dann besann sich der Verleih eines Besseren. Zu Recht: Der Krimi mit Tiefgang ist ein gelungener Abschluss von Allens Londoner Trilogie.
Mit den alten Griechen kennen sich die Brüder Ian und Terry überhaupt nicht aus. „Cassandras Dream“ ist für Terry (Colin Farrell) nur der Name eines Außenseiter-Hundes, der ihm beim Wetten eine Menge Geld gebracht hat. Warum also nicht das Segelboot mit diesem Namen schmücken, das die beiden eher schlecht betuchten Jungs gerade erstanden haben? Immerhin ist da ein Traum in Erfüllung gegangen. Dass die Träume der gleichnamigen Seherin aus der griechischen Mythologie Albträume waren, wissen Ian (Ewan McGregor) und Terry nicht. Vielleicht taumeln sie gerade deshalb in ein Schicksal, das sie mit unerbittlicher Konsequenz ins Verderben zieht.
Aber zunächst ist das Boot mit dem unheilvollen Namen Synonym für pures Glück. Die jungen Männer stammen aus eher bescheidenem Milieu und wollten schon immer höher hinaus – Terry als Spieler und Ian als Möchtegern-Investor. Auf der gebrauchten Jacht scheint sich der Horizont zu öffnen. Terry hat eine Glückssträhne und Ian lernt Angela kennen, eine Frau mit Oberklasse-Format – und den entsprechenden Ansprüchen. Außerdem ist da noch der reiche Onkel Howard (Tom Wilkinson). Er will den beiden aus der Patsche helfen, als Terry sein gewonnenes Geld wieder verspielt und nun 90.000 Pfund Schulden hat. Allerdings verlangt Howard einen fürchterlichen Preis: Die Brüder sollen einen Mann aus dem Weg räumen, der Howards unsaubere Geschäftspraktiken auszuplaudern droht.
In London zu drehen, tut Woody Allen, der in Cassandras Traum / Cassandra’s Dream nicht mitspielt, offensichtlich gut. Drei Filme sind hier entstanden, von denen jeder für sich dem Werk des Altmeisters etwas Neues hinzufügt. In allen geht es nicht um intellektuelle Stadtneurotiker, sondern um einfache Leute. Für sie ist der Klassengegensatz kein Partygerede, sie stehen wirklich im Schatten. Drei Variationen also des Themas „sozialer Aufstieg und sein Preis“: In Match Point gelingt er, fordert aber ein unmenschliches Opfer. In der Komödie Scoop – Der Knüller setzt sich die naive Nachwuchsjournalistin ohne größere Blessuren durch, nur der väterliche Kompagnon bleibt auf der Strecke, das Opfer bringt dieses Mal die Oberklasse. Cassandras Traum wiederum knüpft da an, wo Match Point endete: Was passiert mit Tätern, die für die Karriere einen Mord begehen?
Ian und Terry sind nette Jungs von nebenan, keine skrupellosen Karrieristen. Sie haben ein paar Fehler wie wir alle. Nur: Ihnen bricht der Traum vom besseren Leben das Genick. Woody Allen inszeniert das mit der Zwangsläufigkeit einer griechischen Tragödie. Hatten die beiden wirklich eine Wahl? Ian verneint, Terry sagt ja. Die Wahrheit dürfte schlimmer sein, denn beide haben recht. Sie sind in den Schlamassel wahllos hineingestolpert – und hätten trotzdem Stopp sagen müssen. So tragisch kann das Leben sein. In vielen seiner Filme macht Woody Allen Witze, wenn Existenzielles ins Spiel kommt. In Cassandras Traum ist das – wie schon in Match Point – anders. Statt Tragik und Komik zu mischen, verteilt er sie in der Londoner Trilogie in Reinform auf die einzelnen Filme: zwei zu eins, die Krimikomödie Scoop umrahmt von zwei humorfreien Werken.
Cassandras Traum besticht durch die Verbeugung vor dem naiven Lebenshunger seiner Helden. Gleich zwei Mal zitieren sie einen Satz aus Arthur Penns Klassiker Bonnie und Clyde. Woody Allen rückt zwar die Gewalt nicht ins Bild wie Arthur Penn. Aber ansonsten teilt sein Film die Logik vom Untergang derer, die einfach nur gut leben wollten und dabei eine Grenze überschritten, hinter der es kein Zurück mehr gibt. Hätten sie Kassandra gekannt, hätten sie gewarnt sein können. Aber auf die antike Seherin hat schon damals niemand gehört.
(Peter Gutting)
Mit den alten Griechen kennen sich die Brüder Ian und Terry überhaupt nicht aus. „Cassandras Dream“ ist für Terry (Colin Farrell) nur der Name eines Außenseiter-Hundes, der ihm beim Wetten eine Menge Geld gebracht hat. Warum also nicht das Segelboot mit diesem Namen schmücken, das die beiden eher schlecht betuchten Jungs gerade erstanden haben? Immerhin ist da ein Traum in Erfüllung gegangen. Dass die Träume der gleichnamigen Seherin aus der griechischen Mythologie Albträume waren, wissen Ian (Ewan McGregor) und Terry nicht. Vielleicht taumeln sie gerade deshalb in ein Schicksal, das sie mit unerbittlicher Konsequenz ins Verderben zieht.
Aber zunächst ist das Boot mit dem unheilvollen Namen Synonym für pures Glück. Die jungen Männer stammen aus eher bescheidenem Milieu und wollten schon immer höher hinaus – Terry als Spieler und Ian als Möchtegern-Investor. Auf der gebrauchten Jacht scheint sich der Horizont zu öffnen. Terry hat eine Glückssträhne und Ian lernt Angela kennen, eine Frau mit Oberklasse-Format – und den entsprechenden Ansprüchen. Außerdem ist da noch der reiche Onkel Howard (Tom Wilkinson). Er will den beiden aus der Patsche helfen, als Terry sein gewonnenes Geld wieder verspielt und nun 90.000 Pfund Schulden hat. Allerdings verlangt Howard einen fürchterlichen Preis: Die Brüder sollen einen Mann aus dem Weg räumen, der Howards unsaubere Geschäftspraktiken auszuplaudern droht.
In London zu drehen, tut Woody Allen, der in Cassandras Traum / Cassandra’s Dream nicht mitspielt, offensichtlich gut. Drei Filme sind hier entstanden, von denen jeder für sich dem Werk des Altmeisters etwas Neues hinzufügt. In allen geht es nicht um intellektuelle Stadtneurotiker, sondern um einfache Leute. Für sie ist der Klassengegensatz kein Partygerede, sie stehen wirklich im Schatten. Drei Variationen also des Themas „sozialer Aufstieg und sein Preis“: In Match Point gelingt er, fordert aber ein unmenschliches Opfer. In der Komödie Scoop – Der Knüller setzt sich die naive Nachwuchsjournalistin ohne größere Blessuren durch, nur der väterliche Kompagnon bleibt auf der Strecke, das Opfer bringt dieses Mal die Oberklasse. Cassandras Traum wiederum knüpft da an, wo Match Point endete: Was passiert mit Tätern, die für die Karriere einen Mord begehen?
Ian und Terry sind nette Jungs von nebenan, keine skrupellosen Karrieristen. Sie haben ein paar Fehler wie wir alle. Nur: Ihnen bricht der Traum vom besseren Leben das Genick. Woody Allen inszeniert das mit der Zwangsläufigkeit einer griechischen Tragödie. Hatten die beiden wirklich eine Wahl? Ian verneint, Terry sagt ja. Die Wahrheit dürfte schlimmer sein, denn beide haben recht. Sie sind in den Schlamassel wahllos hineingestolpert – und hätten trotzdem Stopp sagen müssen. So tragisch kann das Leben sein. In vielen seiner Filme macht Woody Allen Witze, wenn Existenzielles ins Spiel kommt. In Cassandras Traum ist das – wie schon in Match Point – anders. Statt Tragik und Komik zu mischen, verteilt er sie in der Londoner Trilogie in Reinform auf die einzelnen Filme: zwei zu eins, die Krimikomödie Scoop umrahmt von zwei humorfreien Werken.
Cassandras Traum besticht durch die Verbeugung vor dem naiven Lebenshunger seiner Helden. Gleich zwei Mal zitieren sie einen Satz aus Arthur Penns Klassiker Bonnie und Clyde. Woody Allen rückt zwar die Gewalt nicht ins Bild wie Arthur Penn. Aber ansonsten teilt sein Film die Logik vom Untergang derer, die einfach nur gut leben wollten und dabei eine Grenze überschritten, hinter der es kein Zurück mehr gibt. Hätten sie Kassandra gekannt, hätten sie gewarnt sein können. Aber auf die antike Seherin hat schon damals niemand gehört.
(Peter Gutting)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Cassandras Traum
Originaltitel:
Cassandra's Dream
Produktionsland:
USA, Großbritannien
Produktionsjahr:
2007
Länge:
108 (Min.)
Verleih:
Constantin Film
VERÖFFENTLICHUNGEN
Kinostart:
05.06.2008
CAST & CREW
Regie:
Woody Allen
Hauptdarsteller:
Ewan McGregor, Tom Wilkinson, Colin Farrell, Hayley Atwell, Sally Hawkins
FILMBEWERTUNG
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Bisherige Kommentare
(Anzeige: 4 von insgesamt 4)
Von: gh am: 11.08.08
Bislang war Woody Allen immer sehenswert, hier ist aber ein langweiliger, ganz schwacher Film entstanden, dessen Dialoge hölzern und klischeehaft sind. Die Nebenfiguren verhalten sich rätselhaft, warum die beiden Frauen Ian und Terry nicht sofort fluchtartig verlassen, ist völlig unverständlich. Der Schluss war vorhersehbar, ich habe mich selten so gelangweilt. Colin Farrell spielt in "Brügge sehen und sterben" viel besser.
Von: amélie am: 04.08.08
die dialoge waren schlecht. ganz klar schlecht. und der film zog sich. ungefähr die letzte halbe stunde war überflüssig. trotzdem war das meiner meinung nach ein überaus genialer film...^^
selten so eine tolle mordszene gesehen...
Von: am: 15.07.08
habe lange schon nicht mehr so einen LANGWEILIGEN film gesehen
Von: Woody-Fan am: 06.06.08
Wie fast alle Film von Woody Allen ist auch dieser wirklich gelungen.
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