Berlinale 2008: Wettbewerb
Schwerer Tobak war es, was der 41-jährige amerikanische Regisseur Lance Hammer als letzten Beitrag des Wettbewerbs von der Leinwand ließ. Seine in Bilder gefasste Tristesse mit dem Titel Ballast war der mit Abstand niederschmetterndste Film des gesamten, mit echten Downern gespickten Wettbewerbs.
Hammer erzählt in rauen, sprunghaften Bildern vom niederdrückenden Leben im Delta des Mississippi. Im Mittelpunkt steht Lawrence, ein schweigsamer Bär von einem Mann (Micheal J. Smith Sr.), dessen Zwillingsbruder Darrius sich gerade das Leben genommen hat. Auf dem gleichen Grundstück steht ein zweites Haus, in dem ohne jeden Kontakt Marlee (Tarra Riggs) und ihr Sohn James (Jim Myron Ross) leben, der aus einer Beziehung mit Darrius entstand. Marlee und James kämpfen Tag für Tag ums Überleben, das Geld reicht hinten und vorne nicht, und so zieht der Sohnemann auch gerne mal mit der Knarre los, um sich Geld für Drogen oder eine XBox zu besorgen. Klar, dass James auch mit den falschen Leuten herumhängt, die Geld von ihm verlangen, damit er überhaupt ein klein wenig Anerkennung (oder Drogen) bekommt. Am liebsten erleichtert James seinen Onkel, weil er mit seinem Bruder einen kleinen Laden führt, der jedoch vorerst geschlossen ist. Marlee ist der Kontakt ihres Sohnes zu Lawrence nicht recht, sie weiß nichts davon, dass James seinen Onkel mit der Waffe bedroht, sie spürt nur, dass sich hier eine Beziehung aufbaut, die sie nicht gutheißt. Schließlich nähern sie sich doch an, die verhinderte Familie wider Willen eröffnet den Laden wieder, führt ihn gemeinsam, doch Lawrence ist eigentlich alles egal. Hoffnung mag man auch am Ende des Films nicht schöpfen, zu niederdrückend ist all das, was man in den letzten 96 Minuten gesehen hat.
Formal und erzählerisch ist Ballast mit Sicherheit neben Lake Tahoe der gewagteste Film des Wettbewerbs. Mit öden Landschaften und Interieurs, spröden Bildern, die sich meist einer wackeligen Handkamera bedienen, Reißschwenks und Jump Cuts schert sich Hammer einen Teufel um die ästhetischen Konventionen des Mainstream-Kinos - die freilich auch zu seiner Geschichte nicht gepasst hätten - und zeigt sich stattdessen als Dokumentarist der Armut und der Hoffnungslosigkeit. Die Darsteller, sie sprechen kaum, sondern flüstern eher in ihrem Südstaaten-Singsang, noch hat sie ihre Lage nicht ganz mundtot gemacht, aber viel fehlt nicht mehr dazu. Es ist leicht, diesen Film nicht zu mögen, die Konsequenz und die Wahl der filmischen Mittel aber nötigen Respekt ab. Selten zuvor sah man Not, Elend und Verzweiflung so ungefiltert auf der Leinwand. Definitiv nur ein Film für eine kleine Schar von Cineasten, und doch ist dieser Film im aufgedonnerten Bildergewitter des Wettbewerbs ein subversiver und notwendiger Stachel im Fleisch.
(Joachim Kurz)
Hammer erzählt in rauen, sprunghaften Bildern vom niederdrückenden Leben im Delta des Mississippi. Im Mittelpunkt steht Lawrence, ein schweigsamer Bär von einem Mann (Micheal J. Smith Sr.), dessen Zwillingsbruder Darrius sich gerade das Leben genommen hat. Auf dem gleichen Grundstück steht ein zweites Haus, in dem ohne jeden Kontakt Marlee (Tarra Riggs) und ihr Sohn James (Jim Myron Ross) leben, der aus einer Beziehung mit Darrius entstand. Marlee und James kämpfen Tag für Tag ums Überleben, das Geld reicht hinten und vorne nicht, und so zieht der Sohnemann auch gerne mal mit der Knarre los, um sich Geld für Drogen oder eine XBox zu besorgen. Klar, dass James auch mit den falschen Leuten herumhängt, die Geld von ihm verlangen, damit er überhaupt ein klein wenig Anerkennung (oder Drogen) bekommt. Am liebsten erleichtert James seinen Onkel, weil er mit seinem Bruder einen kleinen Laden führt, der jedoch vorerst geschlossen ist. Marlee ist der Kontakt ihres Sohnes zu Lawrence nicht recht, sie weiß nichts davon, dass James seinen Onkel mit der Waffe bedroht, sie spürt nur, dass sich hier eine Beziehung aufbaut, die sie nicht gutheißt. Schließlich nähern sie sich doch an, die verhinderte Familie wider Willen eröffnet den Laden wieder, führt ihn gemeinsam, doch Lawrence ist eigentlich alles egal. Hoffnung mag man auch am Ende des Films nicht schöpfen, zu niederdrückend ist all das, was man in den letzten 96 Minuten gesehen hat.
Formal und erzählerisch ist Ballast mit Sicherheit neben Lake Tahoe der gewagteste Film des Wettbewerbs. Mit öden Landschaften und Interieurs, spröden Bildern, die sich meist einer wackeligen Handkamera bedienen, Reißschwenks und Jump Cuts schert sich Hammer einen Teufel um die ästhetischen Konventionen des Mainstream-Kinos - die freilich auch zu seiner Geschichte nicht gepasst hätten - und zeigt sich stattdessen als Dokumentarist der Armut und der Hoffnungslosigkeit. Die Darsteller, sie sprechen kaum, sondern flüstern eher in ihrem Südstaaten-Singsang, noch hat sie ihre Lage nicht ganz mundtot gemacht, aber viel fehlt nicht mehr dazu. Es ist leicht, diesen Film nicht zu mögen, die Konsequenz und die Wahl der filmischen Mittel aber nötigen Respekt ab. Selten zuvor sah man Not, Elend und Verzweiflung so ungefiltert auf der Leinwand. Definitiv nur ein Film für eine kleine Schar von Cineasten, und doch ist dieser Film im aufgedonnerten Bildergewitter des Wettbewerbs ein subversiver und notwendiger Stachel im Fleisch.
(Joachim Kurz)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Ballast
Produktionsland:
USA
Produktionsjahr:
2007
Länge:
96 (Min.)
VERÖFFENTLICHUNGEN
CAST & CREW
Regie:
Lance Hammer
Hauptdarsteller:
Micheal J. Smith Sr., Jim Myron Ross, Tarra Riggs, Johnny McPhail, Sanjib Shrestha
FILMBEWERTUNG
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Bisherige Kommentare
(Anzeige: 2 von insgesamt 2)
Von: Barbara Tennstedt am: 28.03.08
Ballast gehörte zu den Highlights der Berlinale, leider hat er keinen Preis bekommen. Ich würde gern wissen, ob und wann er in Kinos zu sehen ist.
Von: Burstedde am: 16.02.08
Bewegend, niederschmetternd,
relativiert das eigene Leben.
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