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Bad Lieutenant: Cop ohne Gewissen

Meinungen
2

4 Sterne aus 18 Bewertungen

Originaltitel: Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans
Kinostart: 25.02.2010
FSK: 16
Genre: Krimi
Tags: Polizist, Remake, Mord, Drogen, New Orleans

Remake oder nicht?

Werner Herzogs Bad Lieutenant: Cop ohne Gewissen ist, so wurde der Regisseur nicht müde zu betonen, kein Remake des Abel Ferrara Klassikers von 1992. Sein Film nimmt nur die Grundidee auf, spielt diese aber komplett anders durch. Dass Herzogs Vorhaben nicht nur bei Ferrara auf Widerwillen stieß, sondern vor allem die Wahl von Nicolas Cage als Hauptdarsteller im Vorhinein für einige Empörung sorgte, ließ Herzog unberührt.

Situiert in den Überresten der von Wirbelsturm Katrina zermalmten Stadt New Orleans lässt Herzog Cage als korrupten Polizisten vollends dem Abgrund zulaufen. Nachdem dieser in einem seltenen Augenblick menschlichen Mitgefühls einen Gefangenen vor dem Ertrinken retten will, verletzt sich Terence McDonagh (Nicolas Cage) schwer am Rücken und leidet ab da an chronisch starken Schmerzen. Die verschriebenen Tabletten helfen nur wenig also setzt er alles daran sich täglich mit Kokain zu versorgen. Dabei geht McDonagh skrupellos vor. Er erpresst Kollegen, lässt sich bei Verhaftungen Drogen als Bestechung auszahlen und nutzt die Macht seiner Polizeimarke sogar dazu vor den Augen ihres Freundes eine Drogensünderin mit sexuellen Gefälligkeiten "zahlen" zu lassen. Einzige Freude in seinem tristen Dasein, das zunehmend in gefährliche Tiefen abgleitet, ist Frankie (Eva Mendes), eine drogensüchtige Edelprostituierte. Als er zum ersten Mal einen Fall als Ermittlungschef zugeteilt bekommt, bei dem eine ganze Auswandererfamilie von lokalen Drogenbossen niedergemetzelt wird, steigen ihm sein Machthunger und die ständigen Drogen vollends zu Kopf. McDonagh sprengt sämtliche gesetzliche und moralische Grenzen und glaubt sich selbst schon als die ultimative Wiedergeburt von Coolness am Polizeianzug, als seine krummen Geschäfte aufzufliegen drohen.

Herzogs Film unterscheidet sich stark von Ferraras Vorlage. Nicolas Cage ist kein Harvey Keitel, dem man den rauen Kerl abnimmt. Noch ist er ein Kinski, dessen Charisma und Wahnsinn Herzogs frühe Filme triumphieren ließen. Cage ist einfach nur Cage. Phlegmatisch, immer ein wenig langsam und mit einer schauspielerischen Mimik ausgestattet, die über zwei Gesichtsausdrücke meist nicht hinausgeht. Man könnte argumentieren, dass er genau deswegen die perfekte Besetzung ist. Kaum jemand wäre so geeignet, ein mit Kokain vollgepumptes, machthungriges Arschloch zu spielen, das durch und durch unsympathisch und lächerlich ist.

Sowohl die Geschichte des Films, als auch Cages Darstellung sind eine grandios grausame Farce. Der krude PLot oszilliert permanent zwischen so unglaublichen Coups und Dreistigkeiten und unsäglich peinlichem Versagen, dass man auf dem Kinosessel hin und her rutscht und eigentlich gar nicht zusehen mag. Oft weiß man nicht, ob man zuerst lachen oder seiner Aversion frönen soll. Es kann man Fug und Recht behauptet werden, dass Herzog hier ein sehr körperlich affizierendes Kinowerk geschaffen hat. Was soll man denken, wenn Cage hinter einer Zimmertür steht und sich rasiert, seinen Revolver wie eine Penisverlängerung vorn im Hosenbund verstaut. Wie soll man nicht lachen, wenn er eine Persiflage auf Humphrey Bogarts rauchenden Detektiv liefert, als wäre er Nebendarsteller einer Laienschauspielergruppe aus Bottrop-Kirchhellen? Wie nicht entsetzt und angeekelt sein, wenn selbiger dann einer alten Oma den Sauerstoff abdreht, um an Informationen zu kommen und dabei offensichtlich große Befriedigung empfindet? Cage als McDonagh ist das, was übrig bleibt, wenn man Bogart, John Wayne und Charles Bronson vermischt, ihnen dann sämtliche Integrität, Prinzipien und Pietät nimmt und auf die Welt loslässt.

Bad Lieutanant: Cop ohne Gewissen ist einer dieser Filme, die das Zuschauen zur Qual machen. Ruhig im Sessel sitzen wird man bei Herzogs neustem Film auf keinen Fall. Die Frage bleibt offen, ob das gewollt war oder dieser Film einer dieser Filme ist, die so schlecht sind, dass sie schon wieder etwas Interessantes haben.

(Beatrice Behn)

Daten & Fakten

Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2009
Verleih: Twentieth Century Fox
Kinostart: 25.02.2010

Cast & Crew

Regie: Werner Herzog
Drehbuch: William Finkelstein, Victor Argo, Paul Calderon, Abel Ferrara, Zoë Lund
Kamera: Peter Zeitlinger
Schnitt: Joe Bini
Musik: Mark Isham
Hauptdarsteller: Val Kilmer, Nicolas Cage, Eva Mendes, Jennifer Coolidge, Fairuza Balk

MEINUNGEN

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Bisherige Meinungen

(Anzeige: 2 von insgesamt 2)
Von: Christian Rudolf am: 12.02.10
Der Film ist beeindruckend, Cages Performance perfekt, auch als Scientology-Gegner und gelangweilt vom üblichen Dackeblick muss man das einfach zugeben. Die Handlung orgiginell, nicht selten fühlt man sich als Zuschauer als würde einem Herzog gerade eine schallende Ohrfeige verpassen..Danke für einen grossartigen Film! Mir tuts nur um jene leid, die sich nicht an dem Genie Herzogs und offensichtlich auch Cages erfreuen können...
Von: peter zeitlinger am: 21.12.09
Liebe Frau Beatrice Behn. Es ist traurig, dass immer wieder FIlmkritiker (besonders Deutschsprechende) so derartig keinen Sinn fürs das Cineastische haben. Sie ricten auch schon seit jahrzehnten sehr erfolgreich zusammen mit den Fernsehredakteuren das Deustchsprachige Kino zugrunde. Jegliches Zulassen an Fantasie und Spass an Visionen ist abhanden. Die Freude fehlt, die Verbissenheit ist zu gross. Schade. Ich freue mcih dass ich im Ausland arbeiten kann, wo fast überall anderer Geist herscht. Viel freier und nicht so "wissenschaftlich" Peter Zeitlinger Cinematographer Bad Lieutenant

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