FILM
Die Pest – im Mittelalter war das eine unvorstellbare Seuche, die in kurzer Zeit die Hälfte der Bevölkerung dahinraffen konnte. Aber solche Zahlen und abstrakte Fakten machen den Schrecken nicht wirklich greifbar, den der britische Horror-Spezialist Christopher Smith in seinem atmosphärisch überzeugenden Geschichtsepos "Black Death" einfängt. Die packend-düstere Stimmung dient allerdings auch dazu, auf ein paar genretypische Folterszenen vorzubereiten, die wohl vor allem eingefleischte Genre-Fans ansprechen dürften.
Am Anfang des Films steht ein traumatisches Erlebnis, das wir nicht sehen, aber dessen Folgen wir mitbekommen. Als seine Mutter bei einem Wohnungsbrand auf tragische Weise ums Leben kommt, ist Sequan (Derrick L. Middleton), ein schmächtiger Junge mit Brille und einer Vorliebe für Bücher, gezwungen, von New York in den ländlichen Süden der USA umzusiedeln, um dort bei der Familie seiner Tante zu leben.
Ihre Zeit ist gerade erst gekommen. Nina (Natalie Portman) spielt die Hauptrolle in Tschaikowskis "Schwanensee", mit dem das New Yorker Ballett seine Saison eröffnen wird. Für die Tänzerin kann es der große Durchbruch werden, doch die Proben geraten zur Qual. Der exzentrische Regisseur Thomas (Vincent Cassel) beginnt an ihr zu zweifeln, weil Nina ihm nicht verführerisch genug für die Rolle des schwarzen Schwans erscheint.
Schöne neue Web 2.0-Welt: Hier gibt es für alles ein App, ein Gadget, eine mobile Anwednung, die einem bei den wirklichen wichtigen Fragen des Lebens zur Seite steht und wertvolle Hilfestellung leistet. Von einer solchen (wenngleich noch fiktiven) und deren Auswirkungen auf das Thema Nummer 1 – die Liebe natürlich – erzählt Jac Schaeffer in seinem höchst originellen Film "TiMER".
Ambitionierte Filme wie "Control" (2007) von Anton Corbijn und "I'm not there" (2007) von Todd Haynes haben in den letzten Jahren Maßstäbe gesetzt, was die Verfilmung von Musikerbiographien anbelangt. Beide Regisseure erlaubten sich künstlerische Freiheiten. Sie verzichteten darauf, das Leben von Joy-Division-Sänger Ian Curtis und Bob Dylan chronologisch-uninspiriert abzuklappern. Die Filme sind keine Look-Alike-Contests, sondern eigenständige künstlerische Werke. Der Film über Serge Gainsbourg darf durchaus in einer Reihe mit Control und I'm not there gesehen werden.
Was passiert, wenn das Öl zur Neige geht? Bekommen wir dann eine harmonische Gesellschaft mit lauter glücklichen Menschen, die im Einklang mit der Natur leben? Oder führt die schöne neue Ökowelt zu einem diktatorischen Überwachungsstaat? Der schwedische Regisseur Tarik Saleh malt in seinem atmosphärisch dichten Animationsfilm "Metropia" die zweite Variante aus – "Big Brother" lässt grüßen.
Die zweite Ehe ist der Triumph der Hoffnung über die Erfahrung. Wie wahr die Worte des Dichters Samuel Johnson sind, wissen der ungeschickte Freddie (Tom Riley) und seine psychisch angeschlagene Freundin Sophie (Jade Yourell) nur zu gut. Die längst im Erwachsenenalter angekommenen Kinder aus reichem Hause sagen in Stephen Burkes moderner Screwball Comedy zum zweiten mal "Ja" – obendrein zueinander, obwohl ihre erste gemeinsame Ehe scheiterte.
Wie lebt es sich mit dem Namen des Kanzlers der Wiedervereinigung? In seinem Film "Kennzeichen Kohl", der auf einer Idee des Fotografen Burkhard von Hader beruht, spürt der Dokumentarfilmer Jean Boué fünf Männern verschiedener Herkunft nach, die allesamt nur eines verbindet: Sie tragen den gleiche Namen wie der Ex-Kanzler, der 1989 die deutsche Wiedervereinigung ermöglichte.
Das Leben ist Scheiße. Denkt Norman (Sami Loris), nachdem man ihm mal wieder das Herz gebrochen hat. Der hypersensible Musikikus beschließt daraufhin, dass das alles keinen Sinn mehr macht – er beschließt, aus eigener Hand aus dem schnöden Dasein zu scheiden. Doch leider ist er ein Weichei und die Sache mit dem Selbstmord keine leichte Angelegenheit.
"I'm not good with machines" - dieser Satz fällt gleich mehrmals in Anton Corbijns neuem, mit Spannung erwartetem Film "The American". Der Mann (George Clooney), der diesen Satz spricht, nennt sich Jack und ist Profikiller und ein Waffenexperte, der je nach Auftrag auch für andere die feinsten Mordwerkzeuge zusammenschraubt. Mag ja sein, dass sich der Amerikaner, wie ihn mancher nennt, nicht besonders mit großen Maschinen auskennt – mit Gewehren und anderen Schusswaffen ist er hingegen ein wahrer Meister und wird deshalb häufig gebucht.
Man kann nie wirklich zurückkehren. Das lernt man schnell, wenn man einmal nach längerer Abwesenheit den Ort der eigenen Kindheit und Jugend aufsucht: Ständig stehen alte Erinnerungen im Weg herum, und doch ist es stets ein bisschen, manchmal gar völlig anders als früher. Man kann ja, wie das Sprichwort sagt, nie zweimal im gleichen Fluss baden.
Der Impuls zu Yoav Shamirs filmischer Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus geht zurück auf den letzten Film des Regisseurs. In "Checkpoint" (2003) hatte der Filmemacher in niemals wertenden, sondern betont nüchternen Bildern den ebenso banalen wie grausamen Alltag an den schwer bewachten Grenzkontrollposten Israels gezeigt und sich daraufhin von einem jüdischen Journalisten in den USA den Vorwurf eingehandelt, er sei ebenso ein Antisemit wie Mel Gibson.
Auf den ersten Blick erscheint alles wie in einem ganz normalen Land. Luna (Zrinka Cvitešic) und Amar (Leon Lucev) sind ein ganz normales Paar, haben tolle Jobs – er ist Fluglotse, sie Stewardess -, sie sehen gut aus und genießen das Leben. Und dennoch: Irgendetwas stimmt nicht mit den beiden, zumindest nicht mit Amar. Denn dieser trinkt heimlich und wird für ein halbes Jahr suspendiert, als er alkoholisiert im Dienst erwischt wird. Es ist ein erster kleiner Kratzer in der nach außen perfekten Fassade.
Dass dieser Alfie Seliger (Markus Hering) ein echter Unglücksrabe, ein Loser, ein Nebbich ist, sieht man auf den ersten Blick. Der melancholisch-traurige, hornbebrillte Blick, die kaum zu bändigenden Wuschelhaare, das wild gemusterte Hemd mit der Fliege und die larmoyanten Reden, die er auf Parties schwingt, sprechen eine deutliche Sprache – im Haifischbecken der deutschen Filmszene, in dem sich Seliger tummelt, ist er trotz seines Erfolgs mit seinem Film "Dein Blaues Wunder" einer, der in Vergessenheit geraten ist.
Bruno Ganz ist wieder da. Nach seiner eher umstrittenen Rolle als Hitler in "Der Untergang" und ein paar kleineren Parts mimt der Theater- und Filmstar einen charismatischen Journalisten: Tiziano Terzani. Der wurde vor allem durch das Buch bekannt, nach dem auch der einfühlsame Film von Jo Baier benannt ist: "Das Ende ist mein Anfang".
Wenn einer sich wünscht, dass der Gang zum Traualtar zum "schönsten Tag" seines Lebens wird, dann weiß man schon: Daran wird er sich tatsächlich bis zu seiner letzten Stunde erinnern – aber nicht in der erhofften Weise. Trotzdem ist es gar nicht so leicht, aus dem Stereotyp eine Komödie zu basteln. Zu vorhersehbar sind die Katastrophen, die da lauern. Umso bemerkenswerter ist deshalb die Leistung von Regisseur Lars Jessen ("Am Tag, als Bobby Ewing starb"), der in seinem neuen Film die Klippen der Klamotte elegant hinter sich lässt.
Mit dem Adaptieren von Kinderbuchklassikern sind schon viele Regisseure gescheitert. Die Problematik beginnt schon beim Casting. Die Kids müssen perfekt in ihre Rollen passen, sonst ist der Misserfolg bereits vorprogrammiert. Und dann wäre noch das Setting. Inwieweit soll man die Vorlage der heutigen Zeit anpassen, ohne, dass der nostalgische Charme verloren geht?
Ergraut sitzt "Der große Kater" vor einem Tisch voller zerlegter Uhren. Die Zeit ist an dem gealterten Hauptcharakter in Wolfgang Panzers gelungenem gleichnamigem Kinospiel nicht spurlos vorüber gegangen. Auf ihre Weise hat sie den von Bruno Ganz mit kantigem Charme verkörperten Schweizer Staatsmann mitgespielt. Doch die Augen des ehemaligen Bundespräsidenten Kater funkeln. Er besitzt noch etwas von seiner alten Geschmeidigkeit. In seiner schwersten politischen Stunde hatte er sie auch bitter nötig. Mit leiser Ironie verfilmte Panzer Thomas Hürlimanns gleichnamigem Erfolgsroman über einen Politiker am Scheideweg.
"No Future", so lautete in den 1980ern der Schlachtruf der Punkbewegung. Anscheinend hat sich seitdem nicht allzu viel geändert. Zumindest, wenn man das Lebensgefühl der Jugendlichen in Oliver Kienles Diplomfilm ernst nimmt. Beim Max-Ophüls-Festival in Saarbrücken gewann die authentische Milieustudie einer Hip-Hop-begeisterten Generation drei Preise, darunter den Publikumspreis und die Auszeichnung der Schülerjury.










