FILM
Als Zwölfjähriger hat sich Wes Anderson unsterblich in ein Mädchen verliebt. Es überkam den Regisseur, der damals Pfadfinder war, wie aus heiterem Himmel. Noch nie hat er so gefühlt, noch nie hat er so gelitten. Nicht umsonst heißt es: man ist "verknallt". Die Amerikaner sagen dazu "crush". Jene Heftigkeit der Gefühle, dieses unvorstellbare Beben der Emotionen, lässt sich kaum in Worte fassen. Doch nicht umsonst ist Wes Anderson Regisseur und kein Poet. Wenn ihm auch die Worte fehlen, die passenden Bilder für jenes einschneidende Erlebnis hat er alle mal.
Es ist Liebe auf den ersten Blick. Auf einer einsamen Insel lernt der Engländer David (Xavier Samuel) die hübsche Australierin Mia (Laura Brent) kennen. Sie verbringen zehn romantische Tage miteinander – und als ihre gemeinsame Zeit zu Ende geht, macht David ihr einen Heiratsantrag. Mia sagt begeistert ja! Auf ihren Wunsch werden sie in Australien heiraten und sich erst einen Tag vor der Trauung wiedersehen – das sei nämlich besonders romantisch.
Das Schicksal also mal wieder. Oder der Zufall – ganz wie man will und (an) was man glaubt. Wenn man Robert Altman und Alejandro González Iñárritu etwas vorwerfen muss, dann wohl die Tatsache, dass sie das episodisch verschränkte, nonlineare Erzählen als Sehnsucht in den Köpfen deutscher Jungfilmer verankert haben und vergaßen, auf all die Schwierigkeiten einzugehen, die mit dieser Form der Narration einhergehen.
Friede, Freude, Eierkuchen Teil zwei. Weiter geht’s im Schlossinternat Lindenhof, denn Hanni und Nanni sind nach den Sommerferien wieder da und müssen sich in allerlei neuen Abenteuern behaupten. Inszeniert wird die filmische Fortsetzung Enid Blytons bekannter Kinderbücher von Julia von Heinz.
Gegen den Strom schwimmen ist das Leitmotiv von "Lachsfischen im Jemen". Mit diesem Bild assoziiert man jedoch nicht gerade das künstlerische Schaffen von Lasse Hallström, dem Regisseur der Bestsellerverfilmung mit dem merkwürdigen Titel. Der Schwede ist bekannt für seine gefühligen, warmherzigen Dramen, in denen es heftig menschelt, und wenig angeeckt wird.
"Das sind Extremisten, Grenzgänger, Borderliner - das ist Wahnsinn. Und ich denke, von denen kann man einiges lernen." Gerade hat die Röntgenmedizinerin wieder einen von ihnen in die Röhre geschoben und schaut, wie Knochen und Muskeln das Abenteuer durchhalten, auf das sich 2009 siebenundsechzig Extremläufer eingelassen haben, einige von ihnen sogar schon zum zweiten Mal: Diesmal geht es von Bari in Süditalien rauf nach Norwegen bis ans Nordkap.
Eigentlich stellt man sich Gevatter Tod grimmiger vor. Nicht so nett und freundlich und still wie Dr. Krueger (Aurelien Recoing). Dieser überaus sympathische Arzt ist beseelt von einer Mission, die sich freilich schlecht mit seinem hipppokratischen Eid verträgt – statt Leben zu verlängern, wie die Standesethik es verlangt, verkürzt er es.
Kübra sagt, im Knast werde einem alles genommen, auch der eigene Geruch. Vor ihrer Entlassung nach über vier Jahren in der JVA für Frauen in Berlin-Lichtenberg hat die junge Deutsche kurdischer Abstammung ein wenig Angst. In die eigene Wohnung komme dann keiner, um nach einem zu schauen, befürchtet sie. Kübra steht am Fenster eines fahrenden Zuges und saugt die ungewohnten Eindrücke auf.
Von München aus ist Tania (Birge Schade) in ein Dorf im hohen Norden gezogen. Es war vielleicht einfach eine Suche nach Distanz, die sie dazu veranlasste. Tania ist Künstlerin, fertigt Skulpturen aus Industriegummi, und bleibt den Einwohnern hier oben so fremd und unergründlich, dass sie von ihnen misstrauisch beäugt wird und von der Dorfjugend begrapscht.
Spätestens seit Hape Kerkeling seine Pilgerfahrt in einem Bestseller festgehalten hat, ist der Jakobsweg wieder ins Bewusstsein der Allgemeinheit zurückgekehrt. So war es wohl auch nur eine Frage der Zeit bis sich auch das amerikanische Kino diesem Thema widmen würde. Im Falle von Emilio Estevez’ Film "Dein Weg" handelt es sich jedoch nicht nur um eine Modeerscheinung, sondern auch um eine Auseinandersetzung mit den spanischen Wurzeln seiner Familie.
Recherchen waren die Leidenschaft des Künstlers Mark Lombardi. Nächtelang las er Sachbücher über Skandale der Vergangenheit und die Verflechtungen von Macht, Einfluss und Geld. Wichtige Details notierte er sich auf Karteikarten, über die er schon bald den Überblick verlor. Also nutzte er sie als Grundlage für großformative Diagramme, die Namen, Firmen und Ereignisse durch Pfeile und Zuordnungen miteinander verband.
Der israelische Filmemacher und Hochschuldozent Arnon Goldfinger wusste zwar, dass seine 1935 aus Deutschland emigrierten Großeltern die alte Heimat zeitlebens im Herzen trugen. Wenn er als Kind ihre Wohnung in Tel Aviv mit den vielen Büchern deutscher Schriftsteller betrat, fühlte er sich nach Berlin versetzt.
Alles fängt mit einem Besuch bei der Schulkrankenschwester an. Auf dem Flur stehen zahlreiche Mädchen in Unterwäsche, sie sind zwischen 15 und 17 Jahre alt und warten auf eine Routineuntersuchung. Bei einem spaßigen Gerangel um die Reihenfolge setzt sich Camille (Louise Grinberg) durch, sie ist offensichtlich die Anführerin. Als sie schließlich den Untersuchungsraum betritt, offenbart sie, dass sie glaubt, schwanger zu sein.
Die beiden Freundinnen hören gern Popmusik und tanzen, wie andere Sechzehnjährige auch. Aber wenn sie auf eine Party gehen, sagen sie an der Wohnungstür stattdessen "Wir wollen zum Nähkurs". Atafeh (Nikohl Boosheri) und Shireen (Sarah Kazemy) leben in Teheran, und ihr Alltag ist, zumindest außerhalb privater Räume, streng reglementiert von der Moralpolizei, die ihre Augen überall hat.
Jean Tinguely (1925 – 1991) starb vor über 20 Jahren, seine Kunstwerke sind immer noch sehr lebendig. Sie rattern, klappern, spritzen, und quietschen. In Museen, unter freiem Himmel, in Brunnen. Räder, Riemen, Gestänge und Kleinteile, zusammengezimmert zu Maschinen, "monströs, lächerlich und sinnlos","dazu verdammt, in einem beschränkten Raum immer wieder die gleiche Bewegung auszuführen, ist das nicht eine verrückte Geschichte?".
Der Film von Regisseur Gerardo Olivares erzählt die wahre Geschichte von Marcos Rodríguez Pantoja, der als Kind mehrere Jahre in der Wildnis überlebte und während dieser Zeit in engem Kontakt zu einem Wolfsrudel stand. Auf Grund großer Armut wird der kleine Marco von seinen Eltern an den Großgrundbesitzer verkauft, der ihn zum Ziegenhüten in die Wildnis schickt. Doch nachdem sich der kleine Junge erst einmal in der Natur eingelebt hat, gibt es für ihn keinen Grund mehr in die weitaus grausamere Welt der Menschen zurückzukehren.
Halluzinogene Drogen wie LSD und Acid sind inzwischen aus der Mode gekommen und haben chemischen Wachmachern Platz gemacht. Dennoch geht von der psychoaktiven Wirkung der unter anderem aus dem Mutterkorn generierten Droge noch immer eine große Faszination aus – auch in der psychopathologischen Forschung hat LSD inzwischen wieder Einzug gehalten.
Wie präsent die Camorra oder andere Mafia-Organisationen in Deutschland sind, erfährt man immer dann, wenn es mal wieder eine spektakuläre Schießerei gibt. Etwa bei dem Blutbad vor einem italienischen Restaurant in Duisburg 2007. Auch Claudio Cupellini hat seinen zweiten Spielfilm vor dem Hintergrund mafiöser Konflikte hierzulande angesiedelt. Aber die realistischen Hintergründe sind nicht das eigentliche Thema, sondern bilden nur die Folie für ein spannendes Vater-Sohn-Drama.
Manche Leute sind einfach zu gut für diese Welt. Sie gehen durchs Leben mit einer kindlichen Naivität und einem Vertrauen in die Menschen, dass jene es kaum glauben können. Weil sie selbst ganz anders sind. Sie selbst nennen das erwachsener, doch in Wirklichkeit könnte man es auch egoistischer nennen, selbstsüchtiger, misstrauischer. Solch ein guter Mensch, solch eine reine Seele ist der Hippie Ned Rochlin (Paul Rudd), der eigentlich keiner Fliege etwas zuleide tun kann.
Liebe und Musik. Emmanuel Mourets ("Küss mich bitte") neuer Film "Die Kunst zu lieben" beginnt mit einem Zitat und erzählt eine dazu passende Geschichte von einem jungen Komponisten, der bei jeder Begegnung mit einer Frau die Musik der Liebe sucht, denn: "Es gibt keine Liebe ohne Musik."




