Filme

Wiener Dog

Spätestens als die Mumblecore-Queen Greta Gerwig im Jahre 2010 in Noah Baumbachs "Greenberg" eine tragikomische Bravour-Performance in Sachen Selbstzerstörung und Desorientierung lieferte, ahnte man, dass es irgendwann zu einer Zusammenarbeit mit dem Independent-Filmemacher Todd Solondz kommen würde. Und nun ist es passiert. Gleichwohl stellt sich zunächst Irritation ein: Gerwig spielt Dawn Wiener?! Die Dawn Wiener aus Solondz' Coming-of-Age-Meisterstück "Willkommen im Tollhaus" (1995)? Oh ja, das tut sie.

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Ma Ma - Der Ursprung der Liebe

Die Filme von Julio Medem sind eine Gratwanderung zwischen spielerischer Kunst und verstörendem Experiment: Die einen begeistert er immer wieder aufs Neue mit seinen narrativen Konventionsbrüchen, die anderen können mit seiner Art, Geschichten zu erzählen, nichts anfangen. Sein neuester Film – der erste seit immerhin fünf Jahren, abgesehen von einer Episode im Omnibusfilm "7 Nächte in Havanna" – ist durchaus etwas mehr Mainstreamkino, und doch kommen auch große Medem-Fans auf ihre Kosten.

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Treppe Aufwärts

Wenn man ganz unten ist, ist es keine große Mühe, eine Treppe nach oben zu finden. Insofern ist der Titel "Treppe Aufwärts" des Spielfilmdebüts von Mia Maariel Meyer sehr ironisch: Bis Hanno Koffler in der Rolle des Adam eine der Treppenstufen des Lebens hochkommt, muss er sich ganz schön abmühen. Und dann vielleicht auch noch feststellen, dass das nur die Stufe einer Rolltreppe war, die abwärts führt.

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Verräter wie wir

Es ist eine für einen Spionagethriller fast klassische Ausgangslage: Ein Russe will zu den Engländern "überlaufen" und bietet im Austausch für die Einreise und Aufenthaltsgenehmigung Informationen an. Allerdings ist der Kalte Krieg vorbei und der Russe kein Spion, sondern der oberste Buchhalter der Vory, der "Diebe im Gesetz".

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Meier Müller Schmidt

Der deutsche Film konnte in den vergangenen Jahren zunehmend unter Beweis stellen, wie gut es ihm eigentlich geht. Nicht so gut, dass die Jahrzehnte der Sorge um das deutsche Kino Geschichte wären, aber doch gut genug, um einige großartige kleine Filme hervorzubringen und immerhin einen aktiv geführten Diskurs zu inspirieren. Nun bringt Regisseur Sebastian Peterson mit "Meier Müller Schmidt" einen Film über eine Berliner WG in die Kinos, über das suchende Streifen durch die Großstadt, über die kleinen Alltäglichkeiten des gemeinsamen Zusammenlebens.

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Ted Siegers Molly Monster - Der Kinofilm

Molly Monster ist ein Einzelkind. Noch. Sie lebt mir ihrem Papa Popo und ihrer Mutter Etna gemütlich und glücklich in ihrer Monsterwelt: Auf dem einen Hügel schläft und spielt sie, nebenan auf den Hügeln sind Küche und schließlich elterliches Schlafzimmer verteilt. Nun hat sich aber Du-weißt-schon-was angekündigt, und Molly hat für ihren kleinen Bruder – oder ihre kleine Schwester – eine Mütze gestrackt, die das Ei warmhalten soll. Ihr bester Freund, das Aufziehspielzeug Edison, ist allerdings recht eifersüchtig ...

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Ferien (2016)

"Ich glaube, du solltest ein Kind kriegen!" Vivis Mutter weiß Rat, nur das liebe Töchterlein (Britta Hammelstein) will wieder einmal ganz anders. Wie schon so oft zuvor, wenn sie denn überhaupt mal etwas wirklich will. Denn Vivi bläst innerlich Trübsal, lange schon. Zu lange, meinen zumindest ihre Eltern (Victoria Trauttmansdorff, Detlev Buck): Mit der Karriere als angehende Staatsanwältin hat sie es nicht so. Genauso wie sie sich auch sonst in ihrem jungen Leben auf nichts und niemanden wirklich einlassen möchte.

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Wir sind die Flut

Schon der Titel: "Wir sind das Volk", "Wir sind Weltmeister", "Wir sind Papst" und nun sind wir die Flut. Um wen es sich bei dem ominösen "wir" in Sebastian Hilgers Abschlussfilm an der Filmuniversität Babelsberg handelt und was es eigentlich bedeutet, dass wir "die Flut" sind, bleibt, wie so vieles, in dem ambitionierten, aber letztlich zwiespältigen Werk vage.

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Alles was kommt

Und plötzlich, mitten im Leben, ist alles anders: Eben noch schien für die Philosophielehrerin Nathalie (Isabelle Huppert) alles in bester, bürgerlicher Ordnung zu sein: Seit 25 Jahren mit ihrem Mann (André Marcon) verheiratet, die Kinder mittlerweile erwachsen und aus dem Haus, das Lehrbuch über Philosophie in einem kleinen Verlag sorgt für Streicheleinheiten fürs Ego.

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90 Minuten - Bei Abpfiff Frieden

Sollen die da oben sich doch die Köppe einschlagen, die hinter dem ganzen Kriegsschlamassel stecken! Derartige Stammtischsprüche nimmt Eyal Halfon in seiner irrwitzigen Satire 90 Minuten – Bei Abpfiff Frieden ganz ernst. Ein Fußballmatch zwischen Israelis und Palästinensern soll entscheiden, wer bleiben darf und wer gehen muss:

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Mittagssonne (2015)

Er ist Kroate, sie ist Serbin. Und sie lieben sich – und trotzen damit dem Bürgerkrieg und dem, was ihre Familien, ihre Nachbarn und Freunde sagen. In unterschiedlichen Zeiten, verschiedenen Jahrzehnten. Dalibor Matanićs "Mittagssonne" erzählt drei Liebesgeschichten in drei verschiedenen Momenten der serbisch-kroatischen Geschichte. Oder ist es eine Liebesgeschichte, die mit ihren Möglichkeiten spielt? Auf jeden Fall ist es ein wunderbarer Film.

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Athos - Im Jenseits dieser Welt

Dass die Uhren in Bayern anders gehen, ist soweit bekannt. Dass der julianische Kalender in der autonomen Mönchsrepublik Athos dagegen bis heute gilt, schon weniger. Zugleich haben die Einwohner beider Landstriche, die früher einmal regelrechte Glaubenshochburgen innerhalb Europas darstellten, heutzutage massive Probleme mit urchristlichen Begrifflichkeiten wie Demut, Spiritualität, Askese oder aktiver Nächstenliebe – es sei denn, man ist Mönch oder möchte einer werden.

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Paraíso - Was wiegt die Liebe?

Eigentlich stolpert Carmen eher über den Diät-Kurs, als dass sie tatsächlich etwas an ihrer Figur verändern möchte. Aber die Bemerkung der Sekretärin, dass sie doch so hübsch sei, und das Angebot, im gemeinsamen Training zur Traumfigur zu gelangen, treffen in diesem Moment genau ihren Nerv. Und so nimmt Carmen an der kostenlosen Probestunde teil, sortiert den Kühlschrank neu und stellt den Ernährungsplan für sich und ihren Mann radikal um.

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Die Frau mit der Kamera - Portrait der Fotografin Abisag Tüllmann

Bedächtig bewegt sich die Kamera von einem Raum zum nächsten, über Regale zu einem Schreibtisch, jeden Zentimeter dokumentierend, nichts auslassend. Über vier Minuten hinweg wird ein Lebensmittelpunkt illustriert, den das Leben jedoch verlassen hat. Es ist die Wohnung und der Arbeitsbereich von Abisag Tüllmann, den ihre Freundin, die Filmemacherin Claudia von Alemann, hier dokumentiert. Und das nur drei Tage, nachdem Tüllman im Jahr 1996 verstorben ist.

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Caracas, eine Liebe

Der Blick auf die Straßen von Caracas ist unscharf. Die Kamera verbleibt verhältnismäßig lange in dieser unfokussierten Einstellung und zoomt dann erst langsam an das heran, was sie für wichtig hält: den Menschen, den Mann, denjenigen, der sieht. Alles um ihn herum bleibt verschwommen. Selten hat man das in dieser Deutlichkeit auf der Leinwand gesehen. Und es passt gut zur Geschichte von "Caracas, eine Liebe".

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The Assassin

25 Jahre hat Hou Hsiao-Hsien letztendlich gebraucht, ehe er "The Assassin" fertiggestellt hat. Das klingt lang. Bis man den Film einmal gesehen hat und sich wundert, dass Hsiao-Hsien ihn so schnell fertigbekommen hat. Denn bei den Göttern der Kinematographie, dieser Film ist ein Meisterwerk. Jede, ja wirklich jede Einstellung ist ein Kunstwerk für sich.

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Ein ganzes halbes Jahr

Mit über zwei Millionen verkauften Büchern allein in Deutschland ist Jojo Moyes Roman "Ein ganzes halbes Jahr" ein waschechter Bestseller. Ähnlich wie bei "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" gibt es eine überwiegend weibliche Fangemeinde, die die Verfilmung nicht erwarten kann. Und wie bei John Greens Jugendbuchverfilmung ist "Ein ganzes halbes Jahr" ein Tearjerker, eine absolute Schnulze mit Taschentuchgarantie. Eine Liebesgeschichte ohne Happy End.

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Kill Billy

In den letzten Jahren gibt es in der skandinavischen Komödie eine Tendenz zum lustigen alten Grantler, der auf eine Reise geht: "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg" wurde auf einen abenteuerlichen Trip geschickt, in "The Grump" verbreitet die Titelfigur während eines Besuchs bei seiner Schwiegertochter konstant schlechte Laune und nun kommt da noch Harold (Bjørn Sundquist) hinzu, der seit Jahrzehnten im norwegischen Åsane lebt und dort ein Möbelgeschäft hat.

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Gayby Baby

Kinder großzuziehen ist kein Sonntagsspaziergang. Es ist mehr eine lange, lange Wanderung, mal gemütlich, mal in Eile, über grüne Wiesen und unwegsames Gelände, an Bergbächen ebenso vorbei wie durch Geröllwüsten. Sie braucht deine ganze Kraft. Durch sehr wechselnde Wetterverhältnisse, mit Begleiterinnen und Begleitern, die sich gelegentlich sehr dickköpfig verhalten und im Wesentlichen sowieso vorgeben, in welche Richtung es zu gehen hat.

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The Neon Demon

Man liebt seine Filme oder man hasst sie - ein Dazwischen gibt es bei den Werken von Nicolas Winding Refn einfach nicht. Und vermutlich dürfte ihm genau das ziemlich gut gefallen: Dass er es immer wieder aufs Neue versteht, dergestalt zu polarisieren, dass zwischen Begeisterung und Verachtung kein Platz mehr ist für irgendetwas Anderes. Das war bei "Only God Forgives" (2013) schon so und dürfte sich auch mit seinem neuesten Werk "The Neon Demon" nicht verändern.

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