Sex, Drogen, Rock’n’Roll, Poesie und Tod
Jim Morrison, Sänger der Rockband The Doors, verkörperte wie wenige andere den Mythos des rebellischen Rockstars, dessen Leben sich nach den Maximen Live fast, love hard, die young, um Sex, Drugs & Rock’n’Roll dreht, bis er letztlich daran zu Grunde geht. In einer Epoche, deren Jugend geprägt war von der Hippiebewegung, bewusstseinserweiternden Drogen und dem Vietnamkrieg, trafen die The Doors mit Morrisons exzessivem, unberechenbarem Verhalten auf der Bühne und seinen düster-poetischen Texten den Nerv der Zeit. Ohne Zweifel trug die charismatische Bühnenpräsenz des Frontmanns wesentlich zum Ruhm der Doors bei, die nach dessen frühen Tod 1971 nicht mehr an die großen Erfolge anknüpfen konnte, während der Kult um Morrison auch heute ungebrochen ist und immer noch zahlreiche Fans zu seinem Grab auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris pilgern.
Oliver Stone, der selbst als junger Mann in Vietnam zum ersten Mal die Musik der Doors erlebte und, wie er im Interview freimütig zugibt, zu jener Zeit seine eigenen bewusstseinserweiternden Drogenerfahrungen machte, konzentriert sich in seinem Film The Doors von 1991 ebenfalls hauptsächlich auf die Figur des Sängers Jim Morrison (grandios gespielt von Val Kilmer, der selbst zahlreiche Lieder im Film singt). Stone erhebt jedoch in keinster Weise einen biographisch oder dokumentarisch exakten Anspruch; vielmehr leistet er seinen eigenen Beitrag zum Mythos Jim Morrison. Dieser wird nicht in erster Linie als exzessiver Rockstar mit Hang zu Sex, Drogen und Provokation inszeniert, sondern als grenzgängerischer Dichter, der permanent die Bereiche des Möglichen auslotet. Von Beginn an, als in einer halluzinationsartigen Anfangssequenz Jim als Kind im Auto mit seinen Eltern an einem Autounfall in der Wüste vorbei fährt und er angesichts eines toten Schamanen fortan das Gefühl hat, dessen Geist lebe in ihm weiter, erscheint dabei der Tod in verschiedenen Maskeraden als sein unauffälliger, aber stetiger Begleiter.
Von der Story her orientiert Stone sich zwar an zahlreichen biographischen Fakten, erzählt beispielsweise, wie der junge Filmstudent Morrison mit seinem Freund Ray Manzarek (Kyle MacLachlan) am Strand von Venice die Band gründet, rekonstruiert einige legendär gewordene Auftritte und integriert ein Fotoshooting, dessen Bilder Morrison zur Sex-Ikone machten. Auch die Liebesgeschichte zwischen Jim und seiner Freundin Pamela Courson (Meg Ryan als All-American-Hippie-Girl) nimmt zentralen Raum ein. Die wichtigste Rolle im Film spielen jedoch die Lieder der Doors und Morrisons von Poesie und Drogen beeinflusste Wahrnehmung, deren visuelle Umsetzung in ihrer Intensität teilweise äußerst gelungen ist. Eine Besonderheit der zahlreichen Songs im Film, wobei die wichtigsten Doors-Hits wie z. B. Light my Fire, The End, Riders on the Storm natürlich nicht fehlen dürfen, ist die nahtlose Vermischung von Morrisons Originalgesang mit dem Gesang Val Kilmers, welcher sich angeblich im Laufe der Dreharbeiten so sehr mit seiner Rolle identifizierte, dass er darauf bestand Jim genannt zu werden. Seine Präsenz prägt den Film ebenso wie es diejenige von Morrison einstmals mit der Band tat.
Insgesamt ist The Doors, gleichgültig wie viel oder wie wenig er mit der realen Band dieses Namens und ihrem Sänger Jim Morrison zu tun hat, nicht nur ein berauschender Film über die Geschichte einer Rockband, sondern fängt durch Bilder und Musik atmosphärisch den Zeitgeist des Amerikas der 1960er ein. Versierte Doors-Fans mögen an einigen Stellen vielleicht mehr sehen als andere, aber keineswegs nur für Doors-Fans ist der Film ein ästhetischer Genuss. Empfehlenswert sind die zahlreichen Extras, in denen neben Oliver Stone und der Filmcrew auch die Bandmitglieder der Doors sowie Freunde und Zeitzeugen zu Wort kommen und in durchaus kritischen, gelegentlich auch nostalgischen Statements das im Film dargestellte Bild Morrisons differenzieren. Neben den zahlreichen Interviews gibt es eine Audiokommentarfassung, von Stone kommentierte Extraszenen sowie alle Songszenen als einzelne Menüpunkte. Zuletzt sei ein besonderes Goodie dieser lohnenswerten Doppel-DVD erwähnt: Stilgerecht sind die Scheiben im Vinyl-Plattenlook designt.
(Simin Littschwager)
Oliver Stone, der selbst als junger Mann in Vietnam zum ersten Mal die Musik der Doors erlebte und, wie er im Interview freimütig zugibt, zu jener Zeit seine eigenen bewusstseinserweiternden Drogenerfahrungen machte, konzentriert sich in seinem Film The Doors von 1991 ebenfalls hauptsächlich auf die Figur des Sängers Jim Morrison (grandios gespielt von Val Kilmer, der selbst zahlreiche Lieder im Film singt). Stone erhebt jedoch in keinster Weise einen biographisch oder dokumentarisch exakten Anspruch; vielmehr leistet er seinen eigenen Beitrag zum Mythos Jim Morrison. Dieser wird nicht in erster Linie als exzessiver Rockstar mit Hang zu Sex, Drogen und Provokation inszeniert, sondern als grenzgängerischer Dichter, der permanent die Bereiche des Möglichen auslotet. Von Beginn an, als in einer halluzinationsartigen Anfangssequenz Jim als Kind im Auto mit seinen Eltern an einem Autounfall in der Wüste vorbei fährt und er angesichts eines toten Schamanen fortan das Gefühl hat, dessen Geist lebe in ihm weiter, erscheint dabei der Tod in verschiedenen Maskeraden als sein unauffälliger, aber stetiger Begleiter.
Von der Story her orientiert Stone sich zwar an zahlreichen biographischen Fakten, erzählt beispielsweise, wie der junge Filmstudent Morrison mit seinem Freund Ray Manzarek (Kyle MacLachlan) am Strand von Venice die Band gründet, rekonstruiert einige legendär gewordene Auftritte und integriert ein Fotoshooting, dessen Bilder Morrison zur Sex-Ikone machten. Auch die Liebesgeschichte zwischen Jim und seiner Freundin Pamela Courson (Meg Ryan als All-American-Hippie-Girl) nimmt zentralen Raum ein. Die wichtigste Rolle im Film spielen jedoch die Lieder der Doors und Morrisons von Poesie und Drogen beeinflusste Wahrnehmung, deren visuelle Umsetzung in ihrer Intensität teilweise äußerst gelungen ist. Eine Besonderheit der zahlreichen Songs im Film, wobei die wichtigsten Doors-Hits wie z. B. Light my Fire, The End, Riders on the Storm natürlich nicht fehlen dürfen, ist die nahtlose Vermischung von Morrisons Originalgesang mit dem Gesang Val Kilmers, welcher sich angeblich im Laufe der Dreharbeiten so sehr mit seiner Rolle identifizierte, dass er darauf bestand Jim genannt zu werden. Seine Präsenz prägt den Film ebenso wie es diejenige von Morrison einstmals mit der Band tat.
Insgesamt ist The Doors, gleichgültig wie viel oder wie wenig er mit der realen Band dieses Namens und ihrem Sänger Jim Morrison zu tun hat, nicht nur ein berauschender Film über die Geschichte einer Rockband, sondern fängt durch Bilder und Musik atmosphärisch den Zeitgeist des Amerikas der 1960er ein. Versierte Doors-Fans mögen an einigen Stellen vielleicht mehr sehen als andere, aber keineswegs nur für Doors-Fans ist der Film ein ästhetischer Genuss. Empfehlenswert sind die zahlreichen Extras, in denen neben Oliver Stone und der Filmcrew auch die Bandmitglieder der Doors sowie Freunde und Zeitzeugen zu Wort kommen und in durchaus kritischen, gelegentlich auch nostalgischen Statements das im Film dargestellte Bild Morrisons differenzieren. Neben den zahlreichen Interviews gibt es eine Audiokommentarfassung, von Stone kommentierte Extraszenen sowie alle Songszenen als einzelne Menüpunkte. Zuletzt sei ein besonderes Goodie dieser lohnenswerten Doppel-DVD erwähnt: Stilgerecht sind die Scheiben im Vinyl-Plattenlook designt.
(Simin Littschwager)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
The Doors
Produktionsland:
USA
Produktionsjahr:
1990
Länge:
136 (Min.)
Bildformat:
2,35:1 (anamorph)
Ton/Sprache:
Dolby Digital 6.1 EX, Deutsch, Englisch
Extras:
Audiokommentar von Oliver Stone
VERÖFFENTLICHUNGEN
DVD-Start:
18.09.2009
CAST & CREW
Regie:
Oliver Stone
Drehbuch:
Randall Jahnson, Oliver Stone
Kamera:
Robert Richardson
Schnitt:
David Brenner, Joe Hutshing
Hauptdarsteller:
Val Kilmer, Meg Ryan, Frank Whaley, Kevin Dillon, Kathleen Quinlan
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