Der Kekilli-Effekt
Groß war und ist der Wirbel, den Fatih Akins Film Gegen die Wand nach dem Gewinn des Goldenen Bären auslöste. Wieder einmal erging sich die deutsche Boulevard-Presse in der "Demontage" eines aufstrebenden Stars in Gestalt der jungen Darsteller Sibel Kekilli, in die sich selbst vermeintlich seriöse Magazine wie Focus einreihten. Und selbst die Vorverlegung des Starttermins durch den Timebandits Filmverleih, der die Publicity (die der Film ja bereits durch den Gewinn des Goldenen Bären hatte), sorgte für erregte Briefe und Protestnoten einiger kleiner Filmverleiher, die die Starts ihrer eigenen Filme gefährdet sahen. Hinter all dem geriet nun für eine Weile der Film selbst, der all dies ausgelöst hatte, in den Hintergrund.
Cahit Tomruk (Birol Ünel), 40, ein desillusionierter Alkoholiker, hat das Leben satt. Im Vollrausch rast er mit seinem Ford Granada frontal gegen eine Betonmauer, überlebt den Unfall jedoch. Im Krankenhauses lernt er Sibel (Sibel Kekilli) kennen, ein junges türkisches Mädchen, die ebenfalls einen Selbstmordversuch hinter sich hat, um ihrem konservativen Elternhaus zu entfliehen. Um ihr Ziel zu erreichen, bittet sie Cahit, mit ihr einen Scheinehe einzugehen. Zögernd nimmt Cahit Sibels Angebot an. Die junge Frau genießt die neu gewonnene Freiheit in vollen Zügen, One-night-stands und Parties bestimmen schnell ihren Alltag. Als sich Cahit schließlich in Sibel verliebt, ist die Katastrophe nicht mehr aufzuhalten. Erst als es zu spät ist und Cahit im Affekt einen ihrer Liebhaber erschlägt, entdeckt auch Sibel, wie viel sie für ihren Ehemann empfindet. Sie verspricht Cahit, auf ihn zu warten, so lange er im Gefängnis sitzt. Doch als Cahit einige Jahre später entlassen wird, hat Sibel längst . in Istanbul ein neues Leben begonnen. Cahit erinnert sich an ihr Versprechen und reist seiner großen Liebe hinterher...
Nach einem Ausflug in die Welt der Italo-Deutschen bei Solino wendet sich Akin mit Gegen die Wand wieder einem eigenen Stoff und der Welt der Deutsch-Türken zu, die er bereits in seinem Debütfilm Kurz und schmerzlos eindrucksvoll auf Zelluloid bannte. Fernab jeglicher Schwafelei über die multikulturelle Gesellschaft gelingt ihm einerseits ein spannendes und äußerst authentischer Porträt junger Türken in Deutschland. Zum anderen aber – und das macht Akin zu der herausragenden Figur innerhalb der deutschen Filmszene – ist seine Geschichte einer Amour fou von nahezu universellem Zuschnitt. Trotz der Verortung in einem klar begrenzten sozialen Milieu bieten die Charaktere auch dank der hervorragenden Performance von Birol Ünel und Sibel Kekilli genügend Raum für Identifikation. Und genau daraus und aus der Rauheit und Direktheit der Erzählung bezieht Gegen die Wand seinen unwiderstehlichen Sog, der die Jury bei der Berlinale überzeugte.
(Joachim Kurz)
Cahit Tomruk (Birol Ünel), 40, ein desillusionierter Alkoholiker, hat das Leben satt. Im Vollrausch rast er mit seinem Ford Granada frontal gegen eine Betonmauer, überlebt den Unfall jedoch. Im Krankenhauses lernt er Sibel (Sibel Kekilli) kennen, ein junges türkisches Mädchen, die ebenfalls einen Selbstmordversuch hinter sich hat, um ihrem konservativen Elternhaus zu entfliehen. Um ihr Ziel zu erreichen, bittet sie Cahit, mit ihr einen Scheinehe einzugehen. Zögernd nimmt Cahit Sibels Angebot an. Die junge Frau genießt die neu gewonnene Freiheit in vollen Zügen, One-night-stands und Parties bestimmen schnell ihren Alltag. Als sich Cahit schließlich in Sibel verliebt, ist die Katastrophe nicht mehr aufzuhalten. Erst als es zu spät ist und Cahit im Affekt einen ihrer Liebhaber erschlägt, entdeckt auch Sibel, wie viel sie für ihren Ehemann empfindet. Sie verspricht Cahit, auf ihn zu warten, so lange er im Gefängnis sitzt. Doch als Cahit einige Jahre später entlassen wird, hat Sibel längst . in Istanbul ein neues Leben begonnen. Cahit erinnert sich an ihr Versprechen und reist seiner großen Liebe hinterher...
Nach einem Ausflug in die Welt der Italo-Deutschen bei Solino wendet sich Akin mit Gegen die Wand wieder einem eigenen Stoff und der Welt der Deutsch-Türken zu, die er bereits in seinem Debütfilm Kurz und schmerzlos eindrucksvoll auf Zelluloid bannte. Fernab jeglicher Schwafelei über die multikulturelle Gesellschaft gelingt ihm einerseits ein spannendes und äußerst authentischer Porträt junger Türken in Deutschland. Zum anderen aber – und das macht Akin zu der herausragenden Figur innerhalb der deutschen Filmszene – ist seine Geschichte einer Amour fou von nahezu universellem Zuschnitt. Trotz der Verortung in einem klar begrenzten sozialen Milieu bieten die Charaktere auch dank der hervorragenden Performance von Birol Ünel und Sibel Kekilli genügend Raum für Identifikation. Und genau daraus und aus der Rauheit und Direktheit der Erzählung bezieht Gegen die Wand seinen unwiderstehlichen Sog, der die Jury bei der Berlinale überzeugte.
(Joachim Kurz)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Gegen die Wand (DVD)
Produktionsland:
Deutschland
Produktionsjahr:
2004
Länge:
117 (Min.)
Erschienen bei:
Arthaus
Bildformat:
16:9
Ton/Sprache:
Dolby Digital 5.1, Deutsch, Türkisch
Extras:
Making Of, Verpatzte Szenen, Interview mit Fatih Akin, Featurette von Monique Akin: "Was ist ein Osman", Entfallene Szenen (mit Audiokommentar von Fatih Akin), Audiokommentar mit Fatih Akin
VERÖFFENTLICHUNGEN
DVD-Start:
16.10.2009
CAST & CREW
Regie:
Fatih Akin
Drehbuch:
Fatih Akin
Kamera:
Rainer Klausmann
Schnitt:
Andrew Bird
Musik:
Alexander Hacke, Maceo Parker
Hauptdarsteller:
Birol Ünel, Sibel Kekilli, Catrin Striebeck, Güven Kirac, Meltem Cumbul
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