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Aguirre, der Zorn Gottes

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Im Jahre 1560 schlängelt sich eine spanische Expedition durch den Urwald Perus am Amazonas auf der Suche nach dem legendären El Dorado, wo sagenhafte Goldschätze vermutet werden. Die Anfangsszene von Aguirre, der Zorn Gottes zeigt die lange und imposante Prozession von Soldaten, Geistlichen, zwei mitreisenden Frauen in Sänften, einheimischer Helfer und Sklaven mit den Reiseutensilien – ein eindrucksvolles Bild im Morgennebel einer wildwüchsigen, unwegsamen Landschaft, das sicherlich zu den großen Impressionen der Filmgeschichte gehört. Der Befehlshabende des Trupps, Gonzalo Pizarro (Alejandro Repullés), entscheidet auf Grund der sich verschärfenden Nahrungsknappheit, einen Teil der Expedition abzuspalten und vorauszuschicken, erfahrene Soldaten, die zudem den weiteren Verlauf der beschwerlichen Reise auskundschaften sollen.

Unter ihnen ist zuvorderst der rebellische wie charismatische Lope de Aguirre (Klaus Kinski), dessen Tochter Flores (Cecilia Rivera) ihn auf seiner Mission begleitet. Aguirre, der die Stimmungen und Vorgänge der angespannten Gesellschaft genau beobachtet, nutzt die erste günstige Gelegenheit, um einen Umsturz anzuzetteln, nach dem er kurzerhand den überraschten und leicht zu beeinflussenden Fernando de Guzmán (Peter Berling) an Pizarros Position komplementiert. Doch immer offensichtlicher ist es der ehrgeizige und skrupellose Aguirre, der strategisch über das Schicksal der Expedition bestimmt, die sich zunehmend zu einem geisterhaft anmutenden Überlebenskampf entwickelt, vom symbolträchtigen Wahnsinn und den Visionen Aguirres beherrscht, die letztlich in eine tumbe Orientierungslosigkeit münden.

Die unverhohlene, zutiefst inhumane Gier des Kolonialismus mit seiner fadenscheinigen christlichen Mission steht hier am Pranger eines Abenteuerfilms, der Aguirre, der Zorn Gottes zweifellos auch ist. Ein abstoßender Held, der die Scheinheiligkeiten und Brutalitäten der gesamten Expedition demaskiert, steht hier im Blickpunkt, ein wütender Eroberer, der sich weder um Gott, noch um die Menschen schert, die seinem Größenwahn im Weg stehen. Da erscheint die indigene Bevölkerung Perus, die sich gegen die Invasion zur Wehr setzt, überweigend im Verborgenen, nur repräsentiert im Akt des Widerstandes oder wiederum sichtbar in gedemütigter Position, die mit grausamer Nachhaltigkeit an ihnen haftet.

Der anregende Audiokommentar von Werner Herzog und dem Filmemacher Laurens Straub, der als Extra auf der DVD enthalten ist, zeugt davon, dass nicht nur das Filmgeschehen, sondern auch die Dreharbeiten von schwindelnden Abenteuern geprägt waren. Zu allen logistischen Schwierigkeiten, die das kleine Team mit einer großen Anzahl an eher zufällig anwesenden Laien zu bewältigen hatte, gesellte sich die Tyrannei Klaus Kinskis, der nicht nur mit dem Regisseur ganz derbe aneinander geriet, sondern auch die anderen Anwesenden emphatisch schikanierte. Werner Herzog schildert mit einem milden Zynismus, dass Kinski sich allerdings auch gelegentlich entschuldigt habe, beispielsweise als er Mitwirkende der indigenen Kooperative Lauramarca derart heftig an ihrer massiven Halsfessel zog, dass schmerzhaft einschneidende Markierungen entstanden. So stellt Aguirre, der Zorn Gottes in vielerlei Hinsicht einen kuriosen, berührenden Film dar, dessen Dramaturgie sich nicht selten den Naturgewalten untergeordnet hat, mit seinen grandiosen Bildern ebenso wie mit seinen abscheulich-abstoßenden Aspekten.

(Marie Anderson)

DATEN & FAKTEN

ÜBERBLICK

Titel: Aguirre, der Zorn Gottes
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 1972
Länge: 91 (Min.)
Erschienen bei:
Bildformat: 1,33:1
Ton/Sprache: Dolby Digital Mono, Deutsch, Englisch
EAN: 4006680051673
Extras: Audiokommentar mit Werner Herzog und Laurens Straub

VERÖFFENTLICHUNGEN

DVD-Start: 16.10.2009

Trailer

Fotogalerie

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