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In Form von Doku-Reihen (Damals in der DDR), Doku-Dramen (Speer und Er) und Event-Movies (Die Gustloff), die durchaus von Holocaust beeinflusst sind, erreichen historische Themen heute immer wieder das große Fernsehpublikum. Die Vergangenheit wird aufgearbeitet, Gedenktage werden medial begleitet, und das alles zur Prime-Time. Der Konstanzer Historikertag von 2006 ("GeschichtsBilder") reagierte auf dieses Phänomen und befasste sich in mehreren Sektionen mit Geschichte im Fernsehen. Das in der Konstanzer UVK-Verlagsgesellschaft erschienene Buch Alles authentisch? Popularisierung der Geschichte im Fernsehen geht auf die Anregung dieses Kongresses zurück und setzt den dort begonnenen Dialog fort.
Die Historiker, so Wolfgang Benz, sehen ihre "Deutungshoheit" über das öffentlich präsentierte Geschichtsbild schwinden, weil das nun in der Hand der Film- und Fernsehredakteure liege. Heutzutage, meint Herausgeber Wirtz, gehe es um ein Massenpublikum. Um dies zu erreichen, bedürfe es der Aufbereitung des vorliegenden dokumentarischen Materials nach den Regeln des Fernsehens: Quote, Spannung, Unterhaltung. Aus Geschichte müsse in der Regel eine erzählbare Geschichte werden. Brüche, offene Fragen, Widersprüche, Aufarbeitung und Entwicklungen, wie sie die Geschichtsschreibung kenne, passten nicht ins Genre.
So zeigt der hier in elf Einzelbeiträgen publizierte Dialog Unbehagen und Kritik, jedoch auch Verständnis auf Seiten der Historiker, die als Berater und Wissenschaftler, die zum Beispiel die Oral History zum seriösen Fach entwickelt haben, durchaus auch ihren Beitrag zur Popularisierung des Geschichtsfernsehen leisten.
(Stefan Otto)
Alles authentisch? Popularisierung der Geschichte im Fernsehen
Geschichte mit Geschichten
Am Anfang war Holocaust. Marvin J. Chomskys amerikanischer Vierteiler zeigte 1978, dass man Geschichte im Fernsehen sehr eindrücklich präsentieren kann, wenn man auf dokumentarische Strenge verzichtet. "Alle Ingredienzien späterer Fernsehproduktionen mit historischen Themen" seien in Holocaust enthalten, schreibt Rainer Wirtz. Als da wären: "Personalisierung, Dramatisierung und Emotionalisierung".In Form von Doku-Reihen (Damals in der DDR), Doku-Dramen (Speer und Er) und Event-Movies (Die Gustloff), die durchaus von Holocaust beeinflusst sind, erreichen historische Themen heute immer wieder das große Fernsehpublikum. Die Vergangenheit wird aufgearbeitet, Gedenktage werden medial begleitet, und das alles zur Prime-Time. Der Konstanzer Historikertag von 2006 ("GeschichtsBilder") reagierte auf dieses Phänomen und befasste sich in mehreren Sektionen mit Geschichte im Fernsehen. Das in der Konstanzer UVK-Verlagsgesellschaft erschienene Buch Alles authentisch? Popularisierung der Geschichte im Fernsehen geht auf die Anregung dieses Kongresses zurück und setzt den dort begonnenen Dialog fort.
Die Historiker, so Wolfgang Benz, sehen ihre "Deutungshoheit" über das öffentlich präsentierte Geschichtsbild schwinden, weil das nun in der Hand der Film- und Fernsehredakteure liege. Heutzutage, meint Herausgeber Wirtz, gehe es um ein Massenpublikum. Um dies zu erreichen, bedürfe es der Aufbereitung des vorliegenden dokumentarischen Materials nach den Regeln des Fernsehens: Quote, Spannung, Unterhaltung. Aus Geschichte müsse in der Regel eine erzählbare Geschichte werden. Brüche, offene Fragen, Widersprüche, Aufarbeitung und Entwicklungen, wie sie die Geschichtsschreibung kenne, passten nicht ins Genre.
So zeigt der hier in elf Einzelbeiträgen publizierte Dialog Unbehagen und Kritik, jedoch auch Verständnis auf Seiten der Historiker, die als Berater und Wissenschaftler, die zum Beispiel die Oral History zum seriösen Fach entwickelt haben, durchaus auch ihren Beitrag zur Popularisierung des Geschichtsfernsehen leisten.
(Stefan Otto)
Daten & Fakten
| Titel: | Alles authentisch? Popularisierung der Geschichte im Fernsehen |
|---|---|
| Autor: | Thomas Fischer, Rainer Wirtz (Hg.) |
| Erscheinungsort: | Konstanz |
| Erscheinungsdatum: | 2008 |
| Seiten: | 238 |
| Verlag: | UVK Verlagsgesellschaft |
| ISBN: | 978-3-86764-069-5 |
2013
23/05
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