14 10/02

The Turning

Mit Spannung wurde das Mammutprojekt The Turning aus Australien erwartet. Das dreistündige Werk versucht sich darin das gleichnamige Buch von Tim Winton zu verfilmen. Das schwierige daran: die Buchkapitel sind einzelne Kurzgeschichten, die ohne zeitliche Reihenfolge einzelne Episoden aus dem Leben verschiedener Protagonisten erzählen und sich erst nach einer Weile zu einem kohärenten Familienbild über zwei Generationen zusammenfügen. Doch es wird noch komplizierter, denn abgesehen von den Hauptfiguren gibt es auch Nebencharaktere, denen nur eine einzelne Episode gewidmet ist.

(Still aus The Turning - Courtesy Internationale Filmfestspiele Berlin)

Den Zuschauer hier nicht komplett zu verlieren, gestaltet sich mehr als schwierig und zugegeben, die eben erwähnten Informationen fanden ihren Weg in diese Rezension erst durch einen Blick in das Presseheft, ganz sicherlich aber nicht durch den Film selbst. Warum aber überhaupt Interesse haben an einem Film, dem sich schwer bis gar nicht folgen lässt? Weil dieser Film, so sehr er in dieser Hinsicht scheitert, alles andere durchaus richtig macht. The Turning ist wie ein Galeriebesuch - jede einzelne Episode wurde in einem anderen Stil mit anderen Schauspielern (u.a. Rose Byrne, Hugo Weaving, Cate Blanchett) gedreht, orchestriert von jeweils anderen Regisseuren (besonders interessant Mia Wasikowskas Regiedebüt). Jede Episode ist in sich vollständig und könnte für sich allein stehen. Und in jeder merkt man, wie viele Liebe zum Original und wie viel Herzblut in ihr stecken. Manche sind animiert, manche ganz und gar ohne Dialog, andere sind ganz klassisch und eine, relativ am Ende der drei Stunden ist eine Interpretation durch Tanztheater.

Doch trotz aller Unterschiede vermögen die einzelnen Teile atmosphärische ein dichtes und kohärentes Gefühl zu ergeben, das einen durch die verschiedenen Kurzfilme und Stile trägt und zu großen Teilen auch die Missverständnisse auf der inhaltlichen Ebene ausgleicht. Doch beenden wir hier einmal die Rezension und gehen wir lieber über so einem Serviceangebot. Ganz klar sollte man The Turning sehen und am besten noch mit ein paar Informationen vorab, die die Konfusion zerstreuen und diesen Film kohärenter machen. Daher hier die Aufklärung des Protagonistenrätsels: das Buch und damit der Film drehen sich um eine Gruppe von Freunden und um deren Familien bzw. deren Verbindungen in Ereignisse aus Vergangenheit und Zukunft. Hauptcharaktere sind die Familie Lang bestehend aus Vater Bob, Mutter Carol und Sohn Vic. Bob ist Polizist aber bestimmte Ereignisse lassen ihn zum Alkoholiker werden und eines Tages verlässt er Frau und Kind, um im Busch in einer Hütte zu hausen. Carol arbeitet hart, um Vic großzuziehen, der in seiner Jugend eine besondere Vorliebe zu Mädchen mit besonderen physischen Merkmalen hat. Später heiratet er Gail, doch seine Kindheit lässt ihn nicht los und die Ehe leidet darunter. Frank und Max sind die anderen Hauptfiguren. Von klein auf haben beide miteinander Probleme. Während Frank ein begnadeter Sportler ist, bleibt Max durchschnittlich und wird zusehends aggressiver. Sein Leben endet in einem Trailerpark; seine Kinder ignoriert er, seine Frau schlägt er grün und blau. Frank hingegen beendet seine Sportkarriere auf dem Höhepunkt. Als sich beide wiedersehen, kommt es durch einen tragischen Zwischenfall zur Annäherung.

So, und jetzt ab ins Kino.

(Beatrice Behn)

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