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14 25/04

Im Außendienst, Tag 3: Zu Besuch beim 21. Internationalen Trickfilm Festival in Stuttgart

Es ist eine der herausragenden Eigenschaften von vielen animierten Filmen, dass es ihnen gelingt, eine Geschichte ganz ohne Worte zu erzählen. Charaktere sprechen Kauderwelsch-Sprachen, verständigen sich mit Geräuschen oder bleiben sogar völlig stumm. Vielleicht kommt genau daher das Verlangen von Veranstaltern wie dem ITFS, die Räume zwischen den Filmen gnadenlos zuzuquatschen. Was noch verständlich anmutet, wenn der Filmemacher anwesend ist und zum Geleit seines Films auf die Bühne kommt, wird zur Farce, wenn der Moderator einen vielleicht vierminütigen Kurzfilm, den man unmittelbar anschließend sieht, zuvor schon in mehreren Sätzen zusammenfasst. "Hör auf zu spoilern!" möchte man da als Internetbürger ausrufen - oder zumindest twittern.

Im Screening von "Cartoons for Teens" wirkte das gestern ganz besonders schräg. Das Programm dieser jüngsten Festival-Sektion, die es in Stuttgart erst seit drei Jahren gibt, ist hervorragend zusammengestellt und kombiniert erfolgreich Animationsfilm gewordene Maschinengewehrsalven, wie man sie bei einem halbwüchsigen Publikum erwartet, mit anspruchsvolleren Filmen aus einer jugendlichen Lebenswelt. Dazwischen allerdings: ein Moderator, dessen gequält-hyperaktive Radiosender-Jugendlichkeit genauso aufgesetzt wirkte, wie die obligatorische Schirmmütze auf seinem Kopf.

(Filmstill aus The Art of Happiness, Copyright: Big Sur)

Damit will ich keinesfalls sagen, dass Wortreichtum im Animationsfilm grundsätzlich etwas Schlechtes sein muss. Alessandro Raks Beitrag zum Langfilmwettbewerb, The Art of Happiness beweist eindrücklich das Gegenteil. Auf halbem Weg zwischen Jim Jarmuschs Night on Earth und Richard Linklaters Waking Life erzählt er die Geschichte von Sergio, einem Taxifahrer in Neapel, der seinen Bruder und musikalischen Partner zum zweiten Mal verliert. Zum ersten Mal hat er ihn vor zehn Jahren verloren, als sich Alfredo entschied, das musikalische Duo zu verlassen, um buddhistischer Mönch zu werden. Unfähig, dem Tod des Bruders ins Auge zu sehen, driftet Sergio durch das im Dauerregen ertrinkende Neapel und bekommt von verschiedenen Passagieren deren Glücksrezepte erzählt. Umgesetzt ist das Ganze in einem an Rotoskopie erinnernden, träumerischen 2D/3D-Look mit sorgsam ausgewählter Farbpalette und einem gelungenen Soundtrack. Ein kleines Meisterstück.

Deutlich weniger Worte braucht Makoto Shinkai in seinen Filmen. Der junge Darling des japanischen Anime erzählt seine Geschichten mit Vorliebe nach Terrence-Malick-Art mit Montagen von Naturbildern. In seinem hyperrealen Stil bricht sich typischerweise jeder Sonnenstrahl perfekt in jedem perlenden Regentropfen. The Garden of Words, Shinkais neuer 45-Minüter, bildet da keine Ausnahme. Ein 15-jähriger Schüler und eine Frau Ende 20 treffen sich immer wenn es regnet in einem kleinen Pavillon inmitten eines Parks. Keiner weiß etwas vom anderen, doch ihre Seelen verspüren die gleiche Melancholie und so fassen die beiden langsam Vertrauen zueinander. Doch dann ist die Regenzeit vorbei und eine überraschende Entdeckung droht die zarte Freundschaft zu zerstören. In einiger Hinsicht erinnert The Garden of Words an Shinkais Film 5 Centimeters per Second, der auf ähnlich episodische Art von einer kaum artikulierten Liebesgeschichte erzählt. Doch der neue Film ist enger fokussiert und setzt trotz seiner wie immer makellos gestalteten Bilder weniger auf visuelle Überwältigung als auf intime Charaktermomente.

(Filmstill aus The Garden of Words, Copyright: CoMix Wave Films)

Als der Film nach 45 Minuten etwas abrupt endete, habe ich mir gewünscht, noch etwas länger in das Leben dieser Menschen hineinzuschauen. Vielleicht würden sie ja doch noch Gelegenheit bekommen, endlich einmal all das auszusprechen, was ihnen auf dem Herzen liegt. Doch Shinkai lässt seinen Film lieber in typisch japanischer Manier mit einem grandiosen Popsong enden, in dessen Text der Protagonist, laut Untertiteln, seine Gefühle auf erstaunlich direkte Weise zum Ausdruck bringt. Hier könnte ein Moderator tatsächlich mal von Nutzen sein.

(Alex Matzkeit)